da bin ich baff: Piratenwirtschaft

Da kann man mal sehen, was man so ver­pas­sen kann: Im LV Sach­sen der Pira­ten­par­tei ent­stand ein Grund­satz­pro­gramm Pira­ten­wirt­schaft. Noch ist die­ses nur ein Ände­rungs­an­trag für den Bun­des­par­tei­tag 2010, da soll dann dar­über abge­stimmt wer­den. Ins­ge­samt wurde schon über ein Jahr daran gear­bei­tet, und das Ergeb­nis ist.. zumin­dest anders.

Von der grund­sätz­li­chen Stoß­rich­tung bin ich durch­aus sehr ange­tan. Wie es sich gehört, wird näm­lich zuerst ein­mal das Ziel einer Wirt­schafts­po­li­tik defi­niert. Und dabei kommt man zu dem Schluß, daß die Ziel­set­zung ökonom­si­chen Han­delns „nicht in einer ein­sei­ti­gen Ori­en­tie­rung auf mög­lichst hohes Wirt­schafts­wachs­tum beste­hen“ kann:

Wirt­schafts­wachs­tum ist nicht ess­bar, es führt nicht auto­ma­tisch zu einer glück­li­che­ren Bevöl­ke­rung und kann als ein­zelne Kenn­zahl nicht die Kom­ple­xi­tät wirt­schaft­li­chen und mensch­li­chen Lebens abbilden.

Da ist etwas dran, und im Fol­gen­den wird das Ziel ohne zuviele Wort­hül­sen zu ver­wen­den angerissen:

Die Rah­men­be­din­gun­gen sind so zu set­zen, dass beson­dere Leis­tung zu beson­de­rer Ent­loh­nung führt, nicht aber der reine Besitz zum auto­ma­ti­schen Besitz­zu­wachs. Eine moderne Gesell­schaft muss die Exis­tenz­si­che­rung für alle ermöglichen.

Vie­len wird das nicht schme­cken, klingt es doch nach Ver­mö­gens­steuer und groß­zü­gi­ger Sozi­al­hilfe, ja fast schon bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men. Aller­dings halte ich diese Ziel­set­zung für durch­aus gerecht­fer­tigt. Auch die Gedan­ken zu den The­men Mono­pole, Finanz– & Wäh­rungs­sys­tem, Glo­ba­li­sie­rung & Regio­na­li­sie­rung halte ich zumin­dest im Grunde für ziem­lich sinnvoll.

Übri­gens, gerade der Punkt „Teil­ha­be­prin­zip statt Aus­schließ­lich­keit“ lässt übri­gens sehr gut die grund­le­gende Pira­ten­phi­lo­so­phie erkennen:

Auch wenn Pri­vat­ei­gen­tum in den meis­ten Situa­tio­nen gerecht­fer­tigt und sinn­voll ist, so muss doch fest­ge­stellt wer­den, dass pri­va­tes Eigen­tum immer bedeu­tet, dass alle ande­ren Men­schen von sei­ner Nut­zung aus­ge­schlos­sen wer­den können.

Sind wir halt doch alles Like­de­e­ler! :) Wenn da noch an den For­mu­lie­run­gen gefeilt wird, kann ich durch­aus nächs­tes Jahr dafür stimmen.

5 Kommentare

  • […] Die­ser Ein­trag wurde auf Twit­ter von enno­mane, Jol­ly­Orc erwähnt. Jol­ly­Orc sagte: da bin ich baff: Pira­ten­wirt­schaft http://​tinyurl​.com/​y​9​3​t​lya […]

  • Stefan wrote:

    Herrje, bei so weit­rei­chen­den The­men auf dem Bun­des­par­tei­tag sollte ich ja fast selbst hin, aller­dings muss ich mich ers­tens um Schule küm­mern und bin zwei­tens eine Woche danach schon auf Reise…

  • Anonymous wrote:

    Die Rah­men­be­din­gun­gen sind so zu set­zen, dass beson­dere Leis­tung zu beson­de­rer Ent­loh­nung führt, nicht aber der reine Besitz zum auto­ma­ti­schen Besitzzuwachs

    Es gibt kei­nen „rei­nen Besitz“. Dem Besitz geht idR. immer Arbeit voraus.

    Beson­dere Leis­tung führt zu beson­de­rer Ent­loh­nung. Eine Ent­loh­nung besitzt man.

    Wenn ich ein trag­ba­res Atom­kraft­werk her­stelle und ver­kaufe, dann bekomme ich einen Lohn. Der Lohn kann auch eine ganze Auto­firma sein. Dann besitze ich eine Auto­firma. Und durch den rei­nen Besitz die­ser Auto­firma darf ich jetzt kei­nen Besitz­zu­wachs haben?

    Und wenn ich mit dem trag­ba­ren und selbst-wartenden Atom­kraft­werk sel­ber Strom erzeuge, darf ich dann damit Besitz­zu­wachs haben?

  • @Anonymous: Es geht um den Unter­schied zwi­schen rei­nen Kapi­tal­er­trä­gen und rea­ler Wertschöpfung.

    In der jetz­ti­gen Wirt­schafts­ord­nung ist Besitz der beste und schnellste Weg zu mehr Besitz. Dadurch wird der Sta­tus Quo zemen­tiert, anstatt Anreize zur Leis­tung zu schaffen.

  • dass pri­va­tes Eigen­tum immer bedeu­tet, dass alle ande­ren Men­schen von sei­ner Nut­zung aus­ge­schlos­sen wer­den können.“

    das ist ein sehr guter Punkt. Ich denke da an ein­ge­zäunte Wäl­der, Pri­vat­seen, in denen nie­mand baden oder angeln darf, oder aber auch Pri­vat­stra­ßen, auf denen plötz­lich kei­ner mehr fah­ren darf…

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Emailadresse wird nie veröffentlicht. Pflichtfelder sind so markiert: *