Gläserne und blickdichte Pipelines

Auf Carta wird über den Unter­schied zwi­schen pri­va­ter Kom­mu­ni­ka­tion und Publi­ka­tion nach­ge­dacht, und die Frage auf­ge­stellt, ob Google und die Tele­kom nicht die „neuen Ver­le­ger“ seien. Das ist keine dumme Frage, und zeigt schön auf, daß das Inter­net hier tat­säch­lich einige Rol­len neu verteilt.

Aber, es wird mit einem abso­lut untaug­li­chen Ver­gleich erklärt:

Aber kann man das Inter­net gene­rell mit einer […] – ver­glei­chen? Beim E-Mail-Verkehr ist das unstrit­tig. Da kom­mu­ni­ziert eine Per­son mit einer ande­ren, und keine dritte Per­son soll mit­le­sen. Hier gilt […] das Post– und Fern­mel­de­ge­heim­nis. Doch in wei­ten Berei­chen des Inter­net kann (und soll) jeder sehen, was durch die Pipe­lines fließt – weil die Pipe­lines glä­sern sind. Und sie sind absicht­lich glä­sern, denn das Netz soll jedem die Mög­lich­keit eröff­nen, mit­zu­le­sen, mit­zu­se­hen, mit­zu­hö­ren und mit­zu­re­den.

Uhm… nein. Ich bitte instän­dig darum, diese feh­ler­hafte „Leitungs“-Analogie end­lich fach­ge­recht zu ent­sor­gen. Selbst wenn ich einen Inhalt über das Inter­net ver­öf­fent­li­che, selbst wenn ich andere dazu auf­for­dere über die­sen Inhalt zu dis­ku­tie­ren, dann mache ich damit den Trans­port­weg immer noch nicht gläsern!

Nie­mand stellt „glä­serne Pipe­lines“ irgend­wem zur Ver­fü­gung. Auch Google und die Tele­kom nicht. Sie stel­len zuneh­mend Inhalte bereit. Sie hän­gen quasi Zei­tungs­sei­ten ins Schau­fens­ter. Und sie gestat­ten ande­ren, kleine gelbe Notiz­zet­tel an diese Zei­tungs­sei­ten zu hef­ten, oder sie zu ver­viel­fäl­ti­gen, mein eige­nes Schau­fens­ter dane­ben zu stel­len, oder sogar, mein Schau­fens­ter mit einer Bret­ter­wand zuzu­na­geln und nur bestimm­ten Per­so­nen zu erlau­ben dahinterzuschauen.

Wie diese Inhalte zu mir kom­men, über wel­chen Trans­port­ka­nal genau, wie häu­fig, von wo, wie lange, etc. all diese Infor­ma­tio­nen haben aber nicht glä­sern zu sein. Die will ich nicht ver­brei­tet wis­sen. Wenn es nach mir geht, sol­len bitte alle Pipe­lines blick­dicht blei­ben — das ist ja auch der Grund, warum gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung geklagt wird, die würde näm­lich alle Lei­tun­gen ohne Not verglasen…

4 Kommentare

  • […] Die­ser Ein­trag wurde auf Twit­ter von jot*be, Jol­ly­Orc erwähnt. Jol­ly­Orc sagte: Glä­serne und blick­dichte Pipe­lines http://​tinyurl​.com/​y​b​j​s​e36 […]

  • Das ist doch nur ein Bild für die unter­schied­li­chen Nut­zungs­mög­lich­kei­ten des Net­zes. Dass die Über­tra­gung nicht durch­sich­tig ist, weiß ich auch.

  • Ich wollte Ihnen keine Unwis­sen­heit vor­wer­fen — wenn es so ver­stan­den wurde, bitte ich um Verzeihung.

    Viel­mehr geht es mir darum, daß solch ein Bild von tech­ni­schen Laien schnell miss­ver­stan­den, und dann sehr falsch wei­ter­ver­wen­det wird — mit dem Resul­tat, daß Gesetz­ge­bung und Recht­spre­chung die­ses noch fal­scher interpretieren.

    Ich weiß um die Ver­füh­rungs­kraft von Ana­lo­gien, benutze sie ja sel­ber gerne und nicht immer 100%ig kor­rekt. Aber diese spe­zi­elle hier halte ich per­sön­lich für eher schäd­lich denn nützlich.

  • […] einem Kom­men­tar auf Carta ver­sucht Wolf­gang Michal seine (von mir kri­ti­sier­ten) Aus­sa­gen noch ein­mal zu kon­kre­ti­sie­ren. Ursprüng­lich wollte ich direkt dort […]

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