Kulturflatrate

Vor zwei Jah­ren noch abso­lut undenk­bar und nur in der Ecke der „Inter­net­spin­ner der Pira­ten­par­tei“ dis­ku­tiert, jetzt schon von den Grü­nen und der SPD ernst­haft im Wahl­kampf auf­ge­grif­fen: Die Kulturflatrate. Ganz unbe­schei­den denke ich, daß dies wirk­lich ein ers­ter Erfolg der Pira­ten­par­tei ist. Alleine durch Mit­glie­der­zah­len und Aktio­nen wur­den die eta­blier­ten Par­teien dazu gebracht sich ernst­haft mit die­sen The­men zu beschäftigen.

Lei­der haben diese dann aber nicht die Erkennt­nisse und Fra­gen der Dis­kus­sion inner­halb der Pira­ten­par­tei mit über­nom­men: Eine Kul­tur­flat­rate ist ein büro­kra­ti­sches Mons­ter gegen das die GEMA wie die Kaf­fe­kasse eines Sport­ver­eins ausschaut.

Es geht mit dem Kopf­schmerz der Daten­schüt­zer los, will man die tat­säch­li­che Ver­tei­lung der Inhalte nur halb­wegs akku­rat über­prü­fen. Dazu kom­men dann noch Fra­gen des Ver­tei­lungs­schlüs­sels, der Höhe der ein­zu­sam­meln­den Ent­gelte, die Frage ab wann man an Aus­schüt­tun­gen teil­ha­ben darf, und so wei­ter und so fort.

Nicht umsonst ist die Kul­tur­flat­rate inner­halb der Pira­ten­par­tei höchst umstrit­ten und daher auch nicht Teil des Wahl­pro­gramms. Das soll nicht hei­ßen, daß es mit der Pira­ten­par­tie nie­mals zu einem sol­chen Kon­strukt kom­men wird. Sicher ist aber, daß die Pira­ten­par­tei diese wirk­lich erst dann pro­pa­gie­ren wird, wenn diese Fra­gen geklärt sind.

Ich per­sön­lich glaube nicht, dass das jemals der Fall sein wird, wer gegen die der­zei­ti­gen Prak­ti­ken der GEMA ist, kann nicht für eine wie auch immer gear­tete Kul­tur­flat­rate sein.

3 Kommentare

  • Ich muss dir in eini­gen Punk­ten wider­spre­chen :)
    Das Pro­blem der GEMA, sowohl in der Büro­kra­tie als auch in der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit liegt in ihrer Arbeits­weise begrün­det: Um eine mög­lichst hohe Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit her­zu­stel­len wer­den mög­lichst viele Stich­pro­ben ent­nom­men. Das sind immer noch viel zu wenige, führt aber immer noch zu hohem Auf­wand. Würde ernst­hafte Gerech­tig­keit ange­strebt, wäre das nicht zu finan­zie­ren, weil hun­dert­tau­sende GEMA-Mitarbeiter von jeder Kneipe, jedem Fri­seur­sa­lon und jeder Disco regel­mä­ßig Play­lis­ten abfra­gen müss­ten.
    Bei einer Kul­tur­flat­rate könnte das aber anders lau­fen: Schon jetzt kann man ohne grö­ßere Daten­schutz­be­den­ken anony­mi­siert die P2P-Netzwerke abgra­sen, sehen was wie oft getauscht wird (Seeders/Leechers bei BT zum Bei­spiel). Big​cham​pa​gne​.com macht das auch, andere Her­stel­ler von P2P-charts gibt’s eben­falls.
    Erhebt man nun noch eine halb­wegs aus­sa­ge­kräf­tige Sta­tis­tik der Abspiel­zah­len (so wie es z.B. last​.fm / Audio­scrob­b­ler auch tut), bekommt man sehr ver­läss­li­che und damit gerechte Zah­len, nach denen man Geld aus­schüt­ten kann. Letz­te­res könnte man durch­aus Frei­wil­lig machen und wo es geht anony­mi­sie­ren. Fernseh-Einschaltquoten funk­tio­nie­ren so, nur dass man die Sta­tis­tik nicht auf 2000–6000 Per­so­nen begren­zen müsste, weil man keine elek­tro­ni­schen Geräte dafür ver­tei­len muss. Mit einer höhe­ren sechs­stel­li­gen Anzahl an Teil­neh­mern bekäme man _sehr_ genaue Sta­tis­ti­ken, über die man Geld aus­schüt­ten kann.
    Bleibt ein klei­nes biss­chen Rest­bü­ro­kra­tie zum Ver­tei­len, aber auch da gibt’s Ideen. Zum Bei­spiel dürfte man durch­aus von einem Künst­ler ver­lan­gen, dass er sich selb­stän­dig bei der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft mel­det, um sein Geld ein­zu­for­dern und man könnte ebenso Grenz­werte fest­le­gen, ab denen Geld aus­ge­zahlt wird (z.B. Monat­lich ab 10 Euro/Monat, Jähr­lich ab 20 Euro/Jahr, ansons­ten nur auf aus­drück­li­chen Wunsch, was übrig bleibt geht in einen Pool zur För­de­rung von gemein­nüt­zi­gen Pro­jek­ten, oder ähn­lich)
    Wie auch immer, all das lässt sich gestal­ten und sieht in kei­nem Falle zwangs­läu­fig so aus wie die GEMA.

  • File­sha­ring­me­cha­nis­men sind ja flies­send — die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft müsste also kon­stant über­prü­fen, ob sie noch die rich­ti­gen Kanäle über­prüft, neue Mess­ver­fah­ren ent­wi­ckeln, irgend­wie eine Zuord­nung von getausch­ten Dateien zu tat­säch­li­chen Künst­lern herstellen…

    …das ist tat­säch­lich eben nicht-trivial, zumal ganz andere Maß­stäbe an die Exakt­heit ange­legt wer­den müs­sen wenn über diese Erhe­bun­gen Geld aus­ge­schüt­tet wird, anstatt ein­fach nur Sta­tis­ti­ken geführt wer­den. (Dafür wer­den über­ra­schend viele Gerichts­ver­fah­ren sorgen).

    Zuletzt bleibt ja auch noch die Frage, wie Miss­brauch ver­hin­dert wird: Schon in der Ver­gan­gen­heit gab es diverse Fälle von Pro­du­zen­ten die mal eben meh­rere Tau­send ihrer eige­nen Schall­plat­ten kau­fen lies­sen um in der Hit­pa­rade auf­zu­stei­gen — wenn ich nun für einen hohen Ver­tei­lungs­rang nicht mal Geld für Daten­trä­ger aus­ge­ben, son­dern „nur“ für eine mög­lichst große Ver­brei­tung mei­ner Songs in Tausch­bör­sen sor­gen muss…

    …dann wer­den sich viele Bot-Netzwerk-Betreiber sehr freuen.

  • […] hatte das ja schon im vor­letz­ten Ein­trag und den Kom­men­ta­ren darin ange­fan­gen, will das aber noch ein wenig aus­wei­ten: Ich bin ziemlich […]

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