Warnung: Die folgenden Zeilen sind unvollständige und unausgegorene Gedankengänge. Ich habe mir zu der Gesamtthematik noch keine abschließende Meinung gebildet. Weiterlesen nur auf eigene Gefahr.
Da gab es ja einen Luftschlag in Kundus. Tanklaster wurden gestohlen, die Gefahr eines Terroranschlages lag in der Luft. Und der deutsche Oberst wollte eben diesen nun verhindern. Die Optionen waren, grob gesagt folgende: Nichts tun, Bodentruppen schicken, Bombardieren lassen.
Nichts tun kam nich in Frage, der Einsatz von Bodentruppen wäre gefährlich für eben diese gewesen, also blieb das Bombardement, insbesondere da der entscheidende Kommandant erst einmal (berechtigt oder unberechtigt) davon ausging, daß „da ja eh nur Aufständische“ um die Laster herumstanden.
Leider war dem wohl nun nicht so, und im Resultat mussten einige Leute ihren Hut nehmen, und dem Oberst steht eventuell sogar ein Strafverfahren bevor. Soweit die Fakten.
Das Problem ist aber doch folgendes: Soldaten sind keine Polizisten. Was für letzteren der absolute Ausnahmezustand ist, nämlich das Fällen von kurzfristigen Entscheidungen über Leben und Tod in gefährlichen und komplizierten Situationen, ist für erstere quasi Berufsalltag. Davon mag man moralisch gesehen halten was man will. Es hat aber handfeste Auswirkungen darauf, wie man seine Soldaten behandeln sollte, möchte man, dass sie effektiv und sinnvoll arbeiten.
Ein Soldat kann seinen Auftrag nicht durchführen, wenn er sich permanent darüber Sorgen machen muss, ob er für sein Tun nicht später angeklagt werden könnte. Das darf natürlich kein Freibrief sein. Worauf es hinausläuft ist folgendes: Diejenigen, die einen Soldaten irgendwo hinschicken, müssen ihm klare und verständliche Handlungsanweisungen und Zielvorgaben mitgeben.
Mir scheint, dass es in Deutschland momentan keinerlei gesamtgesellschaftlicher Konsens darüber besteht, was unsere Soldaten „da unten“ überhaupt machen sollen, dürfen oder gar müssen. Und eben diese klaren und verständlichen Handlungsanweisungen gibt es leider erst recht nicht. Insofern können unsere Truppen gar keinen Erfolg haben. Weder praktisch vor Ort, noch in der öffentlichen Meinung zuhause.
Mir persönlich wäre es lieber, wenn nicht Krieg geführt werden muss. Ich habe damals den Wehrdienst verweigert, und würde das heute wohl auch wieder tun.
Aber wenn wir uns als Land schon unbedingt an solchen Dingen beteiligen müssen, wenn wir Soldaten irgendwo hinschicken, dann sollten wir auch die Eier in der Hose haben, denen ein klares und realistisches Ziel sowie eindeutige Handlungsanweisungen mitzugeben. Und zwar schon auf politischer Ebene, nicht erst dem Gefreiten am Boden. Alles andere ist unfair gegenüber denen, die vor Ort Leib und Leben riskieren, und es wird nur Opfer fordern, nie aber zu einem sinnvollen Ende des Konfliktes/Krieges führen.




Servus.
Es gibt für die Soldaten die Einsatzregelen (Rules of Engagement) und für Luftschläge gibt’s auch Prozeduren. Erstere wurden kürzlich erst geändert und erlauben der BW ein agressiveres Vorgehen.
Klein hätte sicherstellen müßen, dass keine Zivilisten vor Ort sind, er hat ja sogar ausdrücklich einen Überflug der Kampfflugzeuge zwecks Abschreckung abgelehnt. Normales Vorgehen bei einem Luftangriff ist wohl, dass Soldaten am Boden das Ziel vor Augen haben und die Bomber einweisen. Das ist in diesem Fall nicht passiert, mit entsprechend schlimmen Folgen.
Zur Option 2, kann sein, dass Klein keine Truppen zur Verfügung hatte, in dem entsprechenden Zeitrahmen gab’s woanders noch eine deftige Schießerei. Aber der Einwand, man müße die eigenen Truppen schützen und dann ohne große Aufklärung bombardieren, kann ja wohl nicht gelten. Die Soldaten sind exakt für solche Situationen da. Dann hätte eben nichts passieren dürfen.
Richtig ist zweifelsohne, dass der Einsatz nicht die öffentliche Beachtung findet, die vorhanden sein müßte.
Die Politik hat entweder behauptet, man müße Deutschland halt „da unten“ verteidigen (Struck) oder man dürfe jetzt nich debattieren, weil das die Taliban stärke (Jung) und überhaupt spricht die Politik lieber von Aufbau und Entwicklungshilfe anstatt von Krieg. Weil die Bevölkerung den nicht will, was ja ein Grund für das Parlament sein könnte, die BW abzuziehen.
Vielen Dank für die Hintergrundinformationen.