Morgenrituale — oder die Kunst der Naßrasur

Wer kennt sie nicht, die bunte, und effekt­hei­schende Wer­bung für all die Hilfs­mit­tel die Mann braucht, um mor­gens das Gestrüpp aus sei­nem Gesicht zu ent­fer­nen? Und was es da alles gibt: Elek­tro­r­a­sie­rer, Naß­ra­sie­rer mit 3 bis 14 Klin­gen und dop­pel­ter Ach­sen­fe­de­rung, Elek­tri­sche Naß­ra­sie­rer, Rasier­gel, Rasier­schaum, Rasier­was­ser, After Shave Bal­sam und noch viel unglaub­li­chere Dinge. Irgend­wie beschleicht mich da das Gefühl, daß man an etwas unheim­lich Gro­ßem teil­nimmt, ein­fach nur beim Rasieren.

Nun ich weiß ja nicht wie sich die ande­ren Her­ren der Schöp­fung da drau­ßen mor­gens rasie­ren, ich für mei­nen Teil habe vor eini­ger Zeit wie­der zur Naß­ra­sur gewech­selt. Zwei Gründe spre­chen aus mei­ner Sicht dafür: Zum einen ist es gründ­li­cher, und zum ande­ren ist es ein mor­gend­li­ches Ritual, das ich aus­gie­big zele­briere (wobei wir end­lich beim Thema der Über­schrift ange­langt sind.)!

Sol­che Rituale neh­men den Streß aus dem Auf­ste­hen. Man nimmt sich eine x-beliebige Tätig­keit, baut ein Ritual um sie herum auf, und ver­bringt so eine gewisse Zeit jeden Mor­gen, ohne daß man sich irgend­wie um den Rest des Tages sor­gen muß. So etwas ist Ent­span­nung pur, und wer das auch haben will, für den folgt hier die Beschrei­bung mei­nes Mor­gen­ri­tu­als, und gleich­zei­tig ein klei­ner Auf­satz über die Naßrasur.

Ja, ich gebe zu, ich spre­che hier­bei nur die männ­li­chen Leser an. Aller­dings dür­fen auch Frauen die­sen klei­nen Auf­satz lesen, dann wis­sen sie wenigs­tens, was wir Män­ner so lange im Bad treiben.

Das Ritual geht schon mit der Vor­be­rei­tung los. Zuerst legt man sich alles zurecht: Den Schaum, den Pin­sel, den Rasie­rer sel­ber. Sol­che Vor­be­rei­tun­gen sind wich­tig, schließ­lich zele­brie­ren wir hier ein Mor­gen­ri­tual. Und dazu sollte man sich in die rich­tige Stim­mung versetzen.

Auch das Ambi­ente muß stim­men: Nehmt Euch Zeit mit, wenn man hetzt, wird das Ergeb­nis dem­ent­spre­chend aus­se­hen. Und das Bad sollte (gerade jetzt im Win­ter) gut geheizt sein. Das ganze macht schließ­lich nur halb so viel Spaß, wenn man dabei friert oder auch nur fröstelt.

Dann den Bart befeuch­ten. Ich nehme dazu war­mes, fast hei­ßes Was­ser, daß macht die Haut gleich ein wenig weich und öff­net die Poren — zumin­dest habe ich so was mal irgendwo gele­sen, und lesen bil­det schließlich.

Nun kommt eine der ers­ten Ent­schei­dun­gen: Was für Schaum soll man neh­men? Da gibt es ja aller­hand. Das Ange­bot reicht von der klas­si­schen Rasier­seife, die man erst mit Hilfe von Was­ser in Schaum ver­wan­delt, über Rasier­creme, Rasier­schaum aus der Dose bis hin zu die­sen omi­nö­sen Gels, die dann auf der Haut zu Schaum mutieren.

Ich pen­dele noch zwi­schen Schaum aus der Dose und rich­ti­ger Rasier­seife. Ers­te­res ist so schön bequem, und auf der Dose steht meist auch noch „Guten Mor­gen“, letz­te­res hat aber ein­fach mehr Stil, und ist mei­ner Ansicht nach auch irgend­wie ange­neh­mer. Rasier­creme mag ich irgend­wie nicht so gerne, sie schäumt so gar nicht, und wird wäh­rend des Rasie­rens teil­weise so fest wie eine die­ser Gesichts­mas­ken — grau­sig so was.

Aber egal woher der Schaum kommt, irgend­wann muß er auf das Gesicht! Schön gleich­mä­ßig ent­we­der mit der blo­ßen Hand oder mit einem Pin­sel auf­tra­gen. Nicht zu dünn, nicht zu dick. Etwas mehr als einen hal­ben Zen­ti­me­ter ist in Ordnung.

Der schon Äonen dau­ernde Streit zwi­schen blo­ßer Hand und Pin­sel ist eigent­lich schon dann ent­schie­den, wenn man zu Schaum aus der Dose greift. Egal ob Gel oder rich­ti­ger Schaum, hier braucht es kei­nen Pin­sel mehr. Nimmt man Rasier­seife ist es auch klar: Um den Schaum her­zu­stel­len bedarf es des Pin­sels. Beim Rasier­pin­sel sollte auf kei­nen Fall gespart wer­den, sonst hat man nach dem Ein­schäu­men die fal­schen Haare im Gesicht.

Nun end­lich kann Mann sich an das eigent­li­che Hand­werk machen, dem Rasie­ren. Dabei aber immer mit dem Haar­strich gehen, dann schnei­det man sich weni­ger, und die Haut wird auch nicht so stark gereizt. Ich hatte mich jah­re­lang falsch rasiert, bis ich irgend­wann die­sen Tip erhal­ten hatte!

Aber nun seid doch mal ehr­lich: Was gibt es schö­ne­res, als wenn man so mor­gens noch halb ver­schla­fen vor dem Spie­gel steht, sich den Schaum in das Gesicht gerie­ben hat, und nun genüß­lich mit so einem Rasie­rer den Bart abschabt.

Ich sel­ber benutze ja nun nicht so einen neu­mo­di­schen Kram mit Lub­ra­strip, Mach24 oder gar gefe­dert. Nein, eher so einen klas­si­schen Rasie­rer, von der Art wie man ihn in jedem Rei­se­set fin­det — nur natür­lich nicht so bil­li­ges Plas­tik son­dern rich­tig soli­des schwe­res Metall (Wrow! Wrow! Wrow! macht da der Heimwerkerkönig!)

Aber auch hier spielt natür­lich Geschmack und per­sön­li­che Vor­liebe eine starke Rolle. Für mich ist das aller­dings auch die Frage nach dem Ver­hält­nis von Preis und Leis­tung. Mei­ner Mei­nung sind die Billig-Einwegklingen dabei doch wirk­lich unge­schla­gen. Mit ein wenig Übung rasie­ren die min­des­tens genauso gut wie die High Tech-Boliden, kos­ten aber nur einen Bruchteil

Ganz harte Kerls rasie­ren sich natür­lich mit der offe­nen Klinge, sprich einem rich­ti­gen Rasier­mes­ser, à la Jack the Rip­per. Das hat den Hauch von Aben­teuer, will aber auch gekonnt sein, sonst schabt und schabt man, und der Bart ist immer noch dran.

Ist der Schaum und mit ihm der Bart ver­schwun­den wasche ich das Gesicht noch ein­mal mit eis­kal­tem Was­ser nach. Damit wird der rest­li­che Schaum weg­ge­spült, die Poren schlie­ßen sich wie­der (und klei­nere Blu­tun­gen hören auf, falls man sich geschnit­ten hat) und spä­tes­tens jetzt bin ich wirk­lich wach.

Als letz­tes folgt irgend­ein After Shave zur Des­in­fek­tion und für den Wohl­ge­ruch. Die Indus­trie bie­tet hier ja für jeden Geschmack etwas, und wem nor­male Rasier­was­ser zu sehr bren­nen (er sei kein Mann mehr, son­dern fortan ein Warm­du­scher und Schwamm­spü­ler), der kann mitt­ler­weile auch zu sanf­te­ren Mit­tel­chen greifen.

So, daß war mein Mor­gen­ri­tual. Ich finde es wesent­lich ange­neh­mer, als mor­gens einige Minu­ten mit einem brum­men­den Plas­tik­kas­ten mein Gesicht abzu­fah­ren. Und außer­dem ist das Gesicht zwei­fels­frei glat­ter; wenn Frau sich über­zeu­gen will, kann sie sich gerne bei der Redak­tion mel­den (Aber bitte mit Bild :-) ).

Ein Kommentar

  • Nach­dem ich freund­lich gefragt hatte, gibt Andreas nun seine Erfah­run­gen zum Gil­lette M3 preis. Das Ergeb­nis erfüllte zum Teil meine Erwar­tun­gen, aber tat­säch­lich nur zum Teil: Die­ser Vibra­ti­ons­schnick­schnack ist sinn­los (meint Andreas), aber die Rasur is

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