Neue Kampagne — Charaktererstellung

Ges­tern saßen wir zusam­men und haben die Charaktere für die neue Kampagne erstellt. Als Regel­werk ver­wen­den wir War­ham­mer Fan­tasy Role­play 2nd Edi­tion mit ein paar klei­ne­ren Haus­re­geln um die Welt bes­ser abzu­bil­den. Wie erwar­tet hat­ten zwei Spie­ler schon ziem­lich gut Vor­stel­lun­gen ihres Cha­rak­ters, zwei wur­den zumin­dest bei der Erstel­lung schon ein­mal mit den Figu­ren warm, und ein Spie­ler hat mehr oder weni­ger lust­los sei­nen Cha­rak­ter durch­ge­wür­felt. Dabei erwür­felte unser ehe­ma­lige Spiel­lei­ter durch die Bank ziem­lich miese Werte — wäh­rend sei­ner Spiel­lei­ter­rolle sah das in der Regel deut­lich anders aus, da hau­ten seine Wür­fel gefühlt einen Höchst­wert nach dem ande­ren raus.

Im Anschluß an die rein mecha­ni­sche Cha­rak­te­r­er­stel­lung ließ ich alle Spie­ler einen W10 wer­fen. Jeder musste sich nun aus­den­ken, warum sein Cha­rak­ter den des Spie­lers mit dem nächst­nied­ri­ge­ren Wert kennt (der mit dem nied­rigs­ten Wurf war dann für den mit dem Höchs­ten zustän­dig). Dabei kamen fol­gende Bezie­hungs­ge­flechte heraus:

Der Mari­ne­sol­dat Wal­ter Pelz kennt den elbi­schen Orkoris–Pries­ter­in­itia­ten Calar Dio­me­dea von frü­he­ren Fahr­ten wo sie gemein­sam gegen Pira­ten gekämpft haben.

Der (noch namen­lose) Halbling-Magier hat auf der letz­ten Reise auf dem glei­chen Schiff als Schiffs­koch gear­bei­tet um sich so die Über­fahrt nach Gor­ne­münde, der Stadt der Sie­ben Magier leis­ten zu kön­nen. Dabei ver­sorgte er Wal­ter Pelz stets mit Extra­ra­tio­nen, in der Hoff­nung den lan­gen dür­ren Kerl irgend­wie aufzupäppeln.

In sei­ner Hei­mat­stadt traf der ehe­ma­lige Minen­ar­bei­ter und Pro­spek­tor Wigand Stein­bre­cher (der die Berge gründ­lich satt hat) auf den durch­rei­sen­den Halbling-Magier in einer Schänke. Gemein­sam sind sie dann auf­ge­bro­chen um sich zur Küste durchzuschlagen.

Der junge Elben­krie­ger Kiirion Gala­va­t­har hat vor eini­ger Zeit sein Hei­mat­land Gildan ver­las­sen. Damit folgt er dem alten Brauch sei­nes Vol­kes, sich in der Welt zu bewei­sen, um irgend­wann als bewähr­ter Krie­ger zurück­zu­keh­ren. Bei sei­nen ers­ten Streif­zü­gen durch die cata­ri­schen Grenz­lande beob­ach­tete er ein selt­sa­mes Paar, daß sich offen­sicht­lich im Wald ver­irrt hatte. Er rief dem Pro­spek­tor von sei­nem Baum aus zu: „Zum Meer, geht es dort lang, so seid Ihr gera­de­wegs auf dem Weg in die Hexerlande!“

Calar galt in sei­nem Volk schon immer als Exzen­tri­ker. Und so ver­wun­derte es den junge Kiirion nicht son­der­lich, als sein älte­rer Cou­sin den hei­mi­schen Wald ver­ließ um unter Men­schen zu leben, und deren Göt­ter zu ver­eh­ren. (dies ist die letzte Bezie­hung, die den Kreis schließt, daher wird hier kein neuer Cha­rak­ter ein­ge­führt)

Danach arbei­tete ich mit allen gemein­sam rudimentär die 10 Fragen durch. Hier zeigte sich fast das glei­che Bild wie bei der mecha­ni­schen Cha­rak­ter­er­schaf­fung: Zwei Spie­ler konn­ten zu jeder Frage sofort etwas sinn­vol­les sagen, zwei nach eini­gen Erklä­run­gen und Nach­ha­ken und der fünfte Spie­ler ver­suchte sich meist mit All­ge­mein­plät­zen herauszuhalten.

Wal­ter Pelz: Der Spie­ler möchte gerne in der Mitte der Kämpfe ste­hen, sein Cha­rak­ter will sich irgend­wann mit einem eige­nen Land­haus zur Ruhe set­zen kön­nen. Wal­ter hat Angst auf dem Meer zu ster­ben und flüch­tet sich in gefähr­li­chen Situa­tio­nen in Aktio­nis­mus. Gleich­zei­tig hat er ein aus­ge­präg­tes Gerechtigkeitsempfinden.

Kiirion Gala­va­t­har: Hier möchte der Spie­ler „coole Bogen­tricks“ und ähn­li­ches sehen, Mantel&Degen Aktio­nen inklu­sive. Der Cha­rak­ter will expli­zit „nütz­lich“ sein, sich für die (elbi­sche) Gemein­schaft als gutes Mit­glied erwei­sen. Er hat Angst zu ver­sa­gen, will stets Alter­na­ti­ven zum Töten suchen. Sein Cha­rak­ter ist der Schlei­cher und die mora­li­sche Instanz der Gruppe.

Calar Dio­me­dea: Dem Spie­ler diente klar Aeron Damphair als Vor­bild. Sein Cha­rak­ter soll splee­nig sein, rau, das Meer als unbarm­her­zige Kraft der Natur vereeh­ren. Das Meer ruft ihn. Ansons­ten sieht er Calar als Hei­ler und Unter­stüt­zer der Gruppe.

der Halbling-Magier: Für den Spie­ler geht es hier um ein­falls– und trick­rei­che Magie. Er spielt häu­fig und gerne Halb­linge, man­che sagen, er hätte selbst einige Hobbit-Züge. Den Cha­rak­ter zieht die Aben­teu­er­lust hin­aus, er will auf­grund einer gött­li­chen Ein­ge­bung mehr aus sei­nen magi­schen Fähig­kei­ten machen. Für die Gruppe soll die­ser Cha­rak­ter ene schüt­zende Hand vor böser Magie sein und sie zusätz­lich mit arka­nem Wis­sen beraten.

Wigand Stein­bre­cher: Der Spie­ler will erfor­schen, unter­schied­li­che Regio­nen sehen. Nach eini­gem Zure­den bekannte er sich dazu, daß sein Cha­rak­ter Angst vor dem Verschüttet-werden hat, und schlecht gewar­tete Minen­schächte daher nicht betre­ten würde. Wigand ist unter­wegs um nicht zu Hause zu sein, will sich nicht durch Moral oder ähn­li­ches ein­schrän­ken las­sen. Er ist Kämp­fer, schlicht weil er es kann.

Über die „Meta“-Frage ent­spann sich eine län­gere Dis­kus­sion dar­über, was die Spie­ler ein­an­der antun dürf­ten, wo Gren­zen seien, was Spaß machen kann, und wo die­ser auf­hört. Als gro­ber Kon­sens stellte sich schnell her­aus, daß die Gruppe nicht von einem Spie­ler ver­ra­ten wer­den dürfe, und daß Spie­ler­cha­rak­tere sich nicht in töd­li­cher Absicht angrei­fen sol­len — es also auch gar nicht erst zu solch einer Eska­la­tion kom­men soll. Auch daß die jewei­li­gen Cha­rak­tere irgend­wie bere­chen­bar sein soll­ten ist wich­tig — man sollte sich auf bestimmte Ver­hal­tens­mus­ter in der Regel ver­las­sen können.

Ins­ge­samt bin ich recht zufrie­den, die Gruppe ist gemischt, aber den­noch zuein­an­der pas­send. Nur bei dem fünf­ten Spie­ler sehe ich Pro­bleme auf uns zu kom­men — zu häu­fig wirkt er des­in­ter­es­siert und abwe­send. Jeder ist mal abge­lenkt, aber in einer Runde die pro Woche jeweils nur etwas über 3 Stun­den spielt, kann ich Spie­ler die demons­tra­tiv einen guten Teil der Zeit Sudoku lösen nicht brau­chen. Da werde ich ein klä­ren­des Gespräch suchen müssen.

5 Kommentare

  • Die Klas­sen habt ihr aber nicht aus­ge­wür­felt, oder? Per­sön­lich mag ich die­sen Zufalls-Aspekt an WFRPG 2nd ja am meis­ten — zumal die Basis­klasse letzt­lich nicht wirk­lich die Zukunft des Chars entscheidet.

    Aus­ser­dem hätte ich als Spiel­lei­ter etwas dage­gen, wenn gleich 2 von 4 Cha­rak­te­ren Elfen sind — das wider­spricht ja ein wenig der War­ham­mer Welt. Klar — Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regeln — aber ich lasse die Spie­ler dann erst mal 10x die Regel­fälle spie­len, bevor es zu Aus­nah­men kommt. Ander­falls ver­liert so ein Sys­tem schnell von dem, was es beson­ders macht…

    Den Spie­ler mit Soduko Vor­lie­ben… ich würde ich zum Teu­fel jagen. Letzt­lich macht er für alle ande­rem am Tisch viel kaputt… und ich glaube nicht, dass sich das lohnt.

    just my 2 cents…

    Gruß
    cy

  • Wir spie­len ja nur mit dem WFRPG-System, nicht aber auf der Welt — inso­fern sind die bei­den Elfen da kein Pro­blem. Und wir spie­len ja schon län­ger auf der Welt und mit dem Sys­tem, die Regel­fälle sind also auch schon hin­rei­chend bekannt :).

    Zufäl­lige Cha­rak­ter­klas­sen sind zwei­fels­ohne wit­zig, aber ich gönne den Spie­lern hier schon den Luxus, mit der gewünsch­ten Klasse anzufangen.

  • Andy schrieb:

    Alles andere wäre auch Wahnsinn!!!!

    Das mit den gewür­fel­ten Klas­sen finde ich einer Inden­ti­fi­ka­tion mit dem Cha­rak­ter entgegenstehend.

    Wenn es (mal wie­der) einen Kam­pa­gnen­wech­sel gibt, braucht es einen Abend und zwei Gesprä­che und ich weiß genau, wann mein Cha­rak­ter gebo­ren wurde, was die Vor– und Nach­teile sei­ner Rolle in der Welt sind. Wie steht er zu ande­ren? Was ist sein Ziel? Wie sind Elben über­haupt? Womit ver­dient er sei­nen Lebens­un­ter­halt? Was unter­schei­det Elben tat­säch­lich (in der gespiel­ten Rolle) von Men­schen? Wie ste­hen sie zum Reich? Wie steht mein Cha­rak­ter zum Reich? Wie hält er es mit Geset­zen? Gut, böse, oder dazwi­schen? Was ist mit Göt­tern? Was ist mit finse­ren Mäch­ten? Warum geht er über­haupt auf Aben­teuer? Wie hält er es mit Gewalt? Töten oder aus­schal­ten? Ist er arro­gant oder freund­lich? Aris­to­krat oder Bauer? Wird er den Mit­spie­lern auf den Geist gehen, ihnen Angst machen, zwie­lich­tig sein? Ist er mehr der Anfüh­rer, mora­li­sches Vor­bild, Fels in der Brandung?

    Wenn man dann „Hedge Wizard“ aus­wür­felt, kann auf ein­mal alles über den Hau­fen gewor­fen sein. Schade…

  • carsten schrieb:

    ich glaube der gedanke ist, dass das was du wür­felst ein­fach nur das ist wo du hin­ein­ge­bo­ren bist und was du dann dar­aus machst bleibt dir über­las­sen, weil du ja in jede andere anfangs­klasse wech­seln kannst…

  • Andy schrieb:

    Naja… und dann wür­felt man eine Klasse, die nicht lesen und Schrei­ben kann und schon hat es sich mit dem aka­de­mi­schen Zweig… ich weiß nicht… mir ist da die Fan­ta­sie lie­ber als der schnöde Würfel.

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