Öffentlicher Raum und das Internet

Das Inter­net hat ja mitt­ler­weile hand­feste Aus­wir­kun­gen auf das „reale Leben“. Und teil­weise eben auch recht erschre­ckende, wenn zum Bei­spiel statt ein paar dut­zend Freun­den plötz­lich mehrere tausend Fremde zu einer Strandparty auftauchen, und hin­ter­her ein Berg Müll und Kos­ten übrig­blei­ben, für den sich niemand verantwortlich fühlt.

Und wenn nun über das glei­che Medium zu einem Picknick eingeladen wird, schril­len bei den ver­ant­wort­li­chen Behör­den die Alarm­glo­cken. Der hilf­lose Ver­such den Geist wie­der in die Fla­sche zu stop­fen löst dann natürlich eine Welle der Empörung aus, mit mir ganz vorn dabei.

Aber schla­fen wir mal drü­ber (wie ich es getan habe) und schauen uns die Sache ein­mal nüch­tern von der ande­ren Seite aus an: Was, wenn sol­che Flashmob-Parties die Regel wer­den, und Strände, Parks und Plätze ste­tig von tau­sen­den Men­schen „heim­ge­sucht“ wer­den die ihren Müll hin­ter­las­sen, in die Bota­nik uri­nie­ren, (unab­sicht­lich, viel­leicht aber auch aus Über­mut) Dinge kaputt­ma­chen und nie­mand dafür ver­ant­wort­lich sein will?

Hin­ter sol­chen „Events“ auf­zu­räu­men kos­tet Geld, Anwoh­ner füh­len sich unter Umstän­den gestört, und nie­mand weiß, ob so etwas nicht doch ein­mal außer Kon­trolle gerät. Das Ganze ist tat­säch­lich ein Pro­blem, das wir vor dem Inter­net nicht hat­ten: Nie­mand konnte „aus Ver­se­hen“ mal eben meh­rere tau­send Leute irgend­wo­hin ein­la­den, Groß­ver­an­stal­tun­gen waren Arbeit und wur­den dem­ent­spre­chend pro­fes­sio­nell angegangen.

Aber heute kann theo­re­tisch jeder Zehn­jäh­rige einen sol­chen Auf­ruf erfolg­reich pla­zie­ren und die Mas­sen irgend­wo­hin diri­gie­ren. Und die Behör­den, die mit der Auf­recht­er­hal­tung der öffent­li­chen Ord­nung beauf­tragt sind, sehen sich vor unüber­wind­ba­ren Schwierigkeiten.

Nie­mand will ein spon­ta­nes Pick­nick von ein bis zwei Dut­zend Leu­ten ver­bie­ten. Aber ein Mas­sen­auf­lauf von Tau­sen­den? Leute die viel­leicht in Streit oder auf­grund irgend eines dum­men Zufalls gar in Panik gera­ten? Jedem Ord­nungs­amt­lei­ter graust vor sowas, und das sogar mit Recht.

Mir ist also mitt­ler­weile klar, daß die Behör­den da ein Auge drauf­ha­ben müs­sen, aber pau­schale Ver­bote hel­fen auch nicht. Und ein­fach den „Auf­ru­fen­den“ als Ver­an­stal­ter zu dekla­rie­ren wird auch nichts nüt­zen — sol­che Auf­rufe wür­den dann ruck-zuck anonym veröffentlicht.

Ebenso nutz­los wäre es, ein­fach die „ille­gale Ver­samm­lung“ auf­zu­lö­sen. Solch ein Ein­satz wäre bei dem beschrie­be­nen paar Dut­zend Teil­neh­mern unver­hält­nis­mä­ßig und bei meh­re­ren Tau­send schlicht unmög­lich, bzw. mit sehr uner­wünsch­ten Fol­gen verbunden.

Die kniff­lige Frage ist also: Wie gehen wir in Zukunft mit Flashmobs und Spon­tan­par­ties um? Wie hal­ten wir den Öffent­li­chen Raum öffent­lich, ver­hin­dern aber eine einen Kol­laps desselben?

Der ein­zig denk­bare Ansatz der mir ein­fällt ist fol­gen­der: Wir bräuch­ten sozial kom­pe­tente Men­schen in den Ord­nungs­äm­tern die sol­che Aktio­nen im Inter­net auf­spü­ren, nach­ver­fol­gen und schon im Netz dees­ka­lie­ren. Die viel­leicht sogar Frei­wil­lige fin­den, die dann als Ver­an­stal­ter agie­ren und das Ereig­nis lenken.

Viel­leicht müs­sen wir auch ein­fach mehr auf die Ein­sicht der Men­schen ver­trauen, mit dem öffent­li­chen Raum pfleg­lich umzu­ge­hen, so uto­pisch das auch klin­gen mag.

3 Kommentare

  • some schrieb:

    die syl­ter geschaefte haben bestimmt gefal­len an sol­chen events. ebenso die bah­nen. ich denke ins­ge­samt wurde genug ein­ge­nom­men, um die rei­ni­gungs­kos­ten zu bezah­len zu koennen.

  • Ja, das wäre eine theo­re­ti­sche Mög­lich­keit. Aber wie ver­pflich­tet man die Geschäfte dazu, jetzt auch etwas zu zah­len. „WIR haben die ja nicht ein­ge­la­den!“ ist sicher­lich das erste was man zu hören bekommt.

    Und die haben mir den gan­zen Laden dre­ckig gemacht, Fla­schen geklaut und andere Kun­den ver­grault. Wer zahlt mir das?“ ist das nächste.

  • Aber das ist nun mal Frei­heit. Die kann Geld kos­ten, ja. Aber wenn wir als Gesell­schaft so etwas kön­nen wol­len, dann müs­sen wir es auch bezah­len. Über höhere Steu­ern. Dann ist das Auf­räu­men kein Problem.

    Die „Sicher­heit“ aller­dings will ich gar nicht gewähr­leis­tet sehen. Denn um die zu errei­chen, müsste man alle Orte per Web­cam über­wa­chen und ggf. Poli­zei und Kran­ken­wa­gen hin­schi­cken. Nein.

    Aller­dings sind diese Pro­bleme so groß auch wie­der nicht. Parks wer­den täg­lich von gro­ßen Men­schen­mas­sen auf­ge­sucht, und auch wenn die nicht alle gemein­sam unter­wegs sind, ist das doch im Grunde das selbe wie ein täg­li­cher Flashmob.

    Ver­samm­lungs­frei­heit hat Ver­fas­sungs­rang, und schon das „geneh­mi­gen las­sen“ von Demos finde ich bedenk­lich (wenn sie die jewei­lige Demo nicht sogar ad absur­dum führen).

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