Partei– vs. Privatmeinung

Ani­ca­tha hat ja gerade einen Bei­trag ver­öf­fent­licht, in dem sie sich gegen Hamthrax-Impfungen, ja sogar gegen Imp­fun­gen im all­ge­mei­nen aus­spricht.

Der Daten­rit­ter wirft ihr dar­auf­hin eini­ges vor. Im IRC prä­zi­siert er das zusätz­lich ein wenig, haupt­säch­lich läuft es aber auf fol­gen­des hin­aus: Ani­ca­tha war/ist Spit­zen­kan­di­da­tin der Schleswig-Holsteiner Pira­ten. Als sol­che unter­liege auch ihr Web­log auto­ma­tisch bestimm­ten Anfor­de­run­gen. Diese ver­bö­ten ihr quasi irgend­et­was aus­ser­halb der har­ten veri­fi­zier­ten Fak­ten bzw. der basis­de­mo­kra­tisch veri­fi­zier­ten Par­tei­mei­nung zu veröffentlichen.

Man mag jetzt von Imp­fun­gen hal­ten was man will *), eine Sache wird hier aber klar: Unsere Gesell­schaft hat noch kei­ner­lei Kon­sens dar­über gefun­den, inwie­weit öffent­li­che Per­so­nen pri­vate Mei­nun­gen haben (und äussern) dür­fen, noch dar­über, was pas­siert, wenn pri­vate Mei­nung und (ver­meint­li­che?) Grup­pen­an­sicht kollidieren.

Den glei­chen Kon­flikt hat­ten wir ja mitt­ler­weile schon ein paar Mal, gerade in der Pira­ten­par­tei: Irgend­wer äussert etwas in der semi-Öffentlichkeit  des eige­nen Web­logs oder eines Forums, und die Stim­mung kocht hoch, Par­tei­aus­tritte wer­den ange­droht, etc..

Für die Zukunft sehe ich eigent­lich nur ein Modell als trag­fä­hig: Es gibt die offi­zi­el­len Kanäle einer Par­tei, deren Web­seite, deren Pres­se­mel­dun­gen, viel­leicht noch Talk­showauf­tritte von Amts­in­ha­bern, die dabei ihr offi­zi­el­les Amts­in­ha­ber­män­tel­chen tra­gen müs­sen. Was dort ver­brei­tet wird hat den Segen der Par­tei, abge­stimmt durch Gre­mien und Basis.

Und dann gibt es eben noch die halb-öffentlichen Kanäle auf denen Men­schen ihre Pri­vat­mei­nung kund­tun. Diese Pri­vat­mei­nung hat dann aber eben nichts mit der Mei­nung ihrer Par­tei zu tun.

Wer dann aber den­noch von Pri­vat– auf Par­tei­mei­nung schlies­sen will, und auf­grund die­ses Fehl­schlus­ses irgend­wel­che Kon­se­quen­zen androht oder gar zieht wird gesteinigt :).

*) ich bin grund­sätz­lich für Imp­fun­gen im All­ge­mei­nen, habe mich zum Bei­spiel aber noch nie gegen Grippe imp­fen lassen.

20 Kommentare

  • Danke für dei­nen Blog­bei­trag.
    Wenn ich als Spit­zen­kan­di­da­tin der Pira­ten nicht mehr Mei­nung kund­tun dürfte, wäre ich in der fal­schen Par­tei.
    In mei­nem web­log steht ja auch aus­drück­lich drin, dass es MEINE Mei­nung ist und nicht die der Pira­ten­par­tei.
    Das soll­ten unsere Kritiker-Ritter ein­fach mal bedenken

  • Das ein­zige Pro­blem: Auch die per­sön­li­che Mei­nung der Spit­zen­kan­di­da­ten hat einen Ein­fluss auf Wahlverhalten.

  • fol­gen­des kann gerne vom Mod an mei­nen ande­ren Bei­trag gehängt werden.

    Das soll jetzt nicht hei­ßen, das ich den bei­trag ver­ur­teile, doof finde, gut finde oder whatever.

  • @Christoph
    Das hieße ja ich dürfe mich gar nicht mehr äussern und wenn dann nur vor­ge­fer­tigte Mei­nun­gen die 100% der Mei­nung der Pira­ten ent­sprä­che und das würde mich doch als Per­son ver­fäl­schen oder?

  • Wenn ich in die­sem Zusam­men­hang von „Modell für die Zukunft“ schreibe, meine ich ein gesell­schaft­li­ches Modell, kei­nes das nur von einer Par­tei adop­tiert wird. Dann rela­ti­viert sich die­ser Ein­fluss (hof­fent­lich). Klar, das klingt erst ein­mal reich­lich über­am­bi­tio­niert, aber die neuen Mög­lich­kei­ten der One-to-Many Kom­mu­ni­ka­tion gekop­pelt mit der quasi unbe­grenz­ten Spei­che­rung und Auf­find­bar­keit machen sol­che Ände­run­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges mei­ner Ansicht nach lang­fris­tig zwin­gend notwendig.

  • Am bes­ten, Ihr ver­tre­tet öffent­lich grund­sätz­lich nur noch meine Mei­nung. Dann tre­ten wir als Par­tei geschlos­sen auf und außer­dem wäre das über­haupt auch so dufte.

  • @Anicatha:
    Man kann es auch anders for­mu­lie­ren: Es wer­den nur sol­che Men­schen in Par­tei­äm­ter gewählt, deren Background-Check eine größt­mög­li­che Par­tei­mei­nungs­kon­for­mi­tät nach­weist, bzw. die sich bereit erklä­ren, ihre Ämter abzu­ge­ben, sobald die Pri­vat­mei­nung sich mehr als 1% von der Par­tei­li­nie weg­be­wegt. Ob das wün­schens­wert ist, ist natür­lich diskutabel.

    Oder es wer­den eben gleich alle Ämter nur mit pantoffelpunk-Klonen besetzt, das wäre auch so dufte… :)

  • @Anicatha: Das meine ich nicht.
    Nur nehme fol­gen­des Beispiel:

    Ich bin Platz 1 einer Lan­des­liste und Direkt­kan­di­dat.
    Ich ver­öf­fent­li­che, dass ich an UFO’s glaube, Wün­schel­ru­ten zum Gold fin­den nutze und mit Ouija-Brettern Kon­takt zu Geis­tern aufnehme.

    Würde das ein son­der­lich gutes Licht auf die Par­tei werfen?

  • @Christoph
    Wenn einige Men­schen zwi­schen pri­va­ter Meinung/ pri­va­tem Gehabe und poli­ti­scher Mei­nung nicht unter­schei­den kön­nen, dann würde das evtl schlech­tes Licht auf die Par­tei wer­fen (aus Sicht die­ser ein­zel­nen Menschen)

    Andere wie­der­rum begrü­ßen es wenn „Polit­ker“ eine eigene Mei­nung haben und diese auch äußern dürfen.

  • Chris­toph hat schon recht: Wenn Kandidaten/Amtsträger zu abstruse Mei­nun­gen kund­tun, dis­qua­li­fi­zie­ren sie sich unter Umstän­den in der öffent­li­chen Mei­nung: Ich zB würde nie­man­den wäh­len, der über­zeugt zu sein scheint, dass man AIDS unter der Dusche abwa­schen kann. (Gese­hen in Südafrika)

    Aller­dings stellt sich dann die Frage, ob das Schuld des Mei­nungs­ab­weich­lers oder des Gre­mi­ums ist, das ihn oder sie auf­ge­stellt hat=

  • @JollyOrc
    Dann sollte man zwi­schen abstru­sen Mei­nun­gen und ein­fach „ande­rer“ Mei­nung unter­schie­den.
    Ver­mut­lich ist es schwer da eine Grenze zu fin­den.
    Aber ver­stel­len sollte man sich als Polit­ker auch nicht

  • @Anicatha, @JollyOrc Jupp, mehr wollte ich auch nicht ausdrücken:)

  • […] gab es einen klei­nen Wir­bel, weil sich Anika Tanck, die Spit­zen­kan­di­da­tin der Schleswig-Holsteiner Pira­ten, in […]

  • […] Die­ser Ein­trag wurde auf Twit­ter von Anika Tanck und Jol­ly­Orc, Andreas Bla­e­sius erwähnt. Andreas Bla­e­sius sagte: RT @anicatha Lohnt zu lesen: http://​bit​.ly/​1​8​8​UpY […]

  • Stephen wrote:

    Ganz ehr­lich, Deine Pro­bleme möchte ich nicht haben.

    Eben noch Pirat, erfüllt von der Frei­heit der eige­nen Mei­nung … und dann *zack* geplät­tet vom Main­stream … Pira­ten quo vadis?

  • @Stephen:

    Es ist ja nicht so, dass die­ses „Pro­blem“ neu ist. Oder mich irgend­wie per­sön­lich betrifft (habe ja kein ein­zi­ges Amt, noch bin ich Kan­di­dat für eines).

    Und es ist auch kein Piratenpartei-Problem — es tritt hier nur gerade sehr anschau­lich zutage. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Pira­ten­par­tei im Laufe der Zeit hier einen eige­nen Weg fin­den wird, der bei­der­lei Inter­es­sen ausgleicht.

  • […] dahin­ge­wor­fe­nen Gedan­ken zur Dis­kus­sion zwi­schen Ani­ca­tha und Daten­rit­ter (also gerade mal zwei Personen) […]

  • […] selbst habe vor nicht ein­mal so lan­ger Zeit die Tren­nung von Par­tei– und Pri­vat­mei­nung pro­pa­giert. Seit­dem hat sich meine Ansicht genau dazu ein wenig gewan­delt: Diese Trennung […]

  • […] kraß abweicht (außer diver­sen Fäl­len um König war das etwa die Debatte um die Spit­zen­kan­di­da­tin in Schleswig-Holstein, die sich als Impf­geg­ne­rin outete): Wenn man von unter­schied­li­chen Posi­tio­nen aus­geht, kommt man […]

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