Reden mit Satirikern.

So, ich habe eine Nacht drü­ber geschla­fen, Kom­men­tare hier frei­ge­schal­tet, mich noch ein wenig auf­ge­regt, und ansons­ten an der Ant­wort gefeilt.

Herr Nuhr ist sicher­lich mit eher nied­ri­gen Erwar­tun­gen an die Pira­ten­par­tei in diese Sache gegan­gen. Lei­der sind diese wohl „an die­sem Wochen­ende von der Wirk­lich­keit bis zur Kennt­lich­keit zer­stört wur­den…“ wie er sich ausdrückt.

Er hatte „kübel­weise Belei­di­gun­gen, Dro­hun­gen und wirre Aggres­si­ons­aus­brü­che“ in sei­nem Post­fach, und dazu noch eine Mail von einem „Funk­tio­när der Par­tei“ , die wohl das Fass zum über­lau­fen brachte. (Eine Ein­la­dung „zum Dia­log“, die sowohl eine Andeu­tung zur ver­meint­lich eige­nen Medi­en­macht ent­hält und gleich­zei­tig in sicht­ba­rer Kopie an eine Zei­tung geht? Ich bitte Euch!)

Er hat in sei­ner (eher knap­pen) Ant­wort an mich auch die (aus­führ­li­che) Ant­wort an eben die­sen Funk­tio­när beige­legt, in dem er dar­legte, wie er die Pira­ten­par­tei und ihre The­men ver­steht, und warum er genau so geschrie­ben hat. Sie zeigt auf jeden Fall, dass eine Dia­log­be­reit­schaft und ein Inter­esse an der Pira­ten­par­tei zumin­dest bestand, bei­des aber durch die wüste Reak­tion unse­rer Basis bei­nahe kom­plett ein­ge­stampft wurde.

Es folgt meine Ant­wort an ihn, in der vagen Hoff­nung, dass einige andere auch etwas dar­aus ler­nen können.

Hallo,

jetzt, mit etwas mehr Zeit, kann ich Ihnen aus­führ­li­cher antworten.

Vor­ne­weg: Ja, rund um die Pira­ten­par­tei hat sich in der Tat ein ziem­li­cher Chao­ten­hau­fen ange­sam­melt. Das wäre an sich nicht wei­ter schlimm, es sind ja auch viele gute Leute dazu­ge­sto­ßen, wenn sich die Par­tei nicht gleich­zei­tig der fast unbe­ding­ten Basis­de­mo­kra­tie ver­schrie­ben hätte, da darf näm­lich jeder mit­re­den, die Kom­mu­ni­ka­tion nach aus­sen wird auch kaum gefiltert.

Die Pira­ten­par­tei ist schlicht zu schnell zu groß gewor­den, und ihre Anhän­ger füh­len sich momen­tan stets in der Defen­sive. Haben sie doch jah­re­lang mit ange­se­hen, wie Andere die Deu­tungs­ho­heit in den Medien hatten.

Jetzt plötz­lich selbst „laut“ wer­den zu kön­nen, Mit­tel zu fin­den um sich Gehör zu ver­schaf­fen, das berauscht. Und lei­der kön­nen nir­gendwo schnel­ler Feind­bil­der auf­ge­baut und bedient wer­den als im quasi-anonymen Inter­net. Im Ergeb­nis schie­ßen man­che dann in ihrem Enthu­si­as­mus quer, ver­ges­sen man­che Regeln der pro­fes­sio­nel­len Kom­mu­ni­ka­tion und manch­mal sogar des Anstan­des. Daß ver­sucht wurde, plump eine Zei­tung in die Aus­ein­an­der­set­zung mit Ihnen über die­ses Thema hin­ein­zu­zie­hen halte auch ich übri­gens für schlech­ten Stil.

(Es ist fast schon Iro­nie, dass ich die­sen Brief auf mei­ner Home­page ver­öf­fent­li­chen werde, um eben auch andere über meine Mei­nung aufzuklären.)

Das ist keine Ent­schul­di­gung für die Ansamm­lung von Mist in Ihrem Post­korb, son­dern eine Erklä­rung. Seien Sie bitte ver­si­chert, daß es auch sehr viele andere Men­schen in der Pira­ten­par­tei gibt, nur geht deren Stimme manch­mal lei­der im Geschrei der ande­ren unter. Mir per­sön­lich tut es jeden­falls sehr leid, dass sie solch einen Ein­druck von der Par­tei und deren Sym­pa­thi­san­ten bekom­men mussten.

Sie kön­nen sich wahr­schein­lich gar nicht vor­stel­len, wie sauer ich auf diese Leute bin. Wie kann ich Ihnen jetzt erzäh­len, dass Satire auch manch­mal ein Stück zu weit gehen kann, ohne mich in den Chor der Merk­be­frei­ten ein­zu­rei­hen? Wieso soll­ten Sie mich ernst nehmen?

Denn Sie haben ja Recht: Die Pira­ten­par­tei muss sich, wie jede andere öffent­li­che Grup­pie­rung auch, der Satire stel­len kön­nen. Und gerade als die­je­ni­gen, die Mei­nungs­frei­heit pro­pa­gie­ren, soll­ten wir eben auch Ihre Stimme gel­ten lassen.

Und natür­lich weiss ich auch, wovon Sie spre­chen; der Streit um die Down­loads urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Werke waren ja der Aus­lö­ser für die Grün­dung der Pira­ten­par­tei in Schwe­den. Und es ist ein Thema das gut zieht. Aller­dings haben wir tat­säch­lich den Anspruch, mehr als eine File­sha­rer­par­tei zu sein. Eigent­lich ver­steht sich die Pira­ten­par­tei in Deutsch­land haupt­säch­lich als Bür­ger­rechts­par­tei. Da Sie es aber auf­brach­ten, möchte ich ein wenig mehr auf die Down­load­ge­schichte eingehen:

Den meis­ten Men­schen in der Pira­ten­par­tei sind Urhe­ber tat­säch­lich ziem­lich wich­tig. Viele von uns kom­men aus der Open Source oder Crea­tive Com­mons Bewe­gung. Dort steht meist nicht das ein­zelne Musik­stück, das ein­zelne Pro­gramm im Vor­der­grund, son­dern die Men­schen und das Kön­nen dahin­ter. Man erkennt an, dass die meis­ten Werke auf den Schul­tern von Rie­sen ste­hen: Man ist beein­flusst von ande­ren Men­schen, hat sich inspi­rie­ren las­sen, oder gar andere Werke mit­tels eines Remi­xes mit aufgenommen.

(Wie viele Filme funk­tio­nie­ren heut­zu­tage haupt­säch­lich über Zitate und Parodien?)

In die­ser Kul­tur wird Geld nicht über den Ver­kauf von Kopien ver­dient, son­dern über Auf­tritte, Dienst­leis­tun­gen rund ums Werk, Mer­chan­di­sing, und so wei­ter. Fra­gen Sie mal Herrn Köhn­topp.

Es ist eine Über­zeu­gung, dass diese Welt­sicht, diese Geschäfts­mo­delle grund­le­gend bes­ser sind als der bloße Abver­kauf von Datenträgern.

Gleich­zei­tig wird der Gesell­schaft aber durch die Indus­trie ein sehr viel restrik­ti­ve­res Modell vor­ge­setzt. Danach sol­len die Mög­lich­kei­ten erwor­bene Kopien von Musik oder Fil­men abzu­spie­len idea­ler­weise kom­plett von den Rech­te­in­ha­bern kon­trol­liert wer­den kön­nen. (Daß Ama­zon in der Lage war, erwor­bene & bezahlte elek­tro­ni­sche Kopien von George Orwells „1984“ ein­fach so von den pri­va­ten Lese­ge­rä­ten zu löschen sollte einen auf­hor­chen lassen.)

Und das ist das Kreuz: Aus Kun­den­sicht sind ille­gal erlangte Kopien ein­fach deut­lich bes­ser und viel­sei­ti­ger als die legal erwor­be­nen. Auf her­un­ter­ge­la­de­nen Fil­men fehlt die Wer­bung, die man bei gekauf­ten DVDs häu­fig nicht weg­spu­len kann, ille­gale MP3s kann ich über­all abspie­len, wäh­rend von Sony gekaufte Audio-CDs teil­weise sogar den eige­nen PC quasi kaputt machten.

Und solange sich diese Situa­tion nicht ändert, wer­den Leute wei­ter­hin ille­gal kopie­ren. Nicht weil sie pri­mär die Künst­ler um ihr Geld brin­gen wol­len, son­dern weil sie deren Werke ohne Stress genie­ßen wollen.

App­les iTu­nes Store, Ama­zons MP3-Angebot oder auch das recht erfolg­rei­che Web­an­ge­bot last​.fm zei­gen, dass die Bereit­schaft für Inhalte zu zah­len durch­aus da ist.

Aller­dings hal­ten die gro­ßen Rech­te­ver­wer­ter noch stark an ihren alten Geschäfts­mo­del­len fest, und haben genü­gend Lobby in der Poli­tik, sich diese durch immer restrik­ti­vere Gesetze sichern zu las­sen — zu Las­ten von Ver­brau­cher– und Bürgerrechten.

Es fehlt aus unse­rer Sicht ein­fach jeg­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen dem Wert eines her­un­ter­ge­la­de­nen Musik­stü­ckes, und den teil­weise dra­ko­ni­schen Stra­fen und Bür­ger­rechts­ein­griffe die dage­gen ein­ge­setzt werden.

Diese bei­den Dinge zusam­men, der Glaube, dass es ein bes­se­res Geschäfts­mo­dell für Kul­tur gibt, und dass eben die­ses Ver­hält­nis nicht mehr stimmt, diese haben die Pira­ten­par­tei ent­ste­hen lassen.

Das alles ist furcht­bar kom­pli­ziert, schwer zu ver­mit­teln und noch dazu kon­tro­vers. Dar­über darf und soll man sich dann auch gerne lus­tig machen, da habe ich per­sön­lich über­haupt kein Pro­blem mit, und die Pira­ten­par­tei sollte auch kei­nes haben.

Anders sieht es bei der Sache mit der Kin­der­por­no­gra­fie und in Ver­län­ge­rung der Causa Tauss aus:

Nam­hafte Poli­ti­ker aus fast allen „gro­ßen“ Par­teien hat­ten und haben teil­weise immer noch keine Skru­pel, die Geg­ner des (objek­tiv) gegen Kin­der­por­no­gra­fie wir­kungs­lo­sen und (aus unse­rer Sicht) schäd­li­chen Zugangs­er­schwe­rungs­ge­set­zes alle­samt als poten­ti­elle Kin­der­schän­der zu dif­fa­mie­ren. Die Beden­ken von weit über 100.000 Peti­ti­ons­un­ter­zeich­nern (zu denen auch ich gehöre), also Men­schen die sich eines demo­kra­ti­schen Instru­ments bedien­ten wur­den ein­fach abge­watscht und ignoriert.

In deren Spra­che, die häu­fig von den Mas­sen­me­dien unkri­tisch über­nom­men wurde, war die Pira­ten­par­tei damit die Par­tei der Kin­der­por­noun­ter­stüt­zer, ganz ohne Jörg Tauss, der da noch SPD-Mitglied war.

Die Wagen­burg war also schon halb gebaut, der Ruf eh schon rui­niert. Als Jörg Tauss aus Empö­rung über das Abstim­mungs­ver­hal­ten der SPD aus sei­ner Par­tei aus­trat, und einen Mit­glieds­an­trag bei der Pira­ten­par­tei stellte, wurde nicht mehr lange überlegt:

Nach Sat­zung und den Grund­sät­zen der Par­tei konnte ihm die Auf­nahme nicht ver­wehrt wer­den. Im Gegen­zug konn­ten wir eben­so­gut umso beherz­ter für Grund­rechte wie die Unschulds­ver­mu­tung ein­ste­hen und gleich­zei­tig von knapp 50 Jah­ren Poli­ti­ker­fah­rung profitieren.

Ganz unab­hän­gig von dem lau­fen­dem Ver­fah­ren, ist Jörg Tauss näm­lich mei­nes Wis­sens nach ein her­vor­ra­gen­der Fachpolitiker.

Gut, er ist auch ein dick­schä­de­li­ger Quer­kopf, mit manch­mal recht wenig Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Aber er ist eben einer der weni­gen Bun­des­po­li­ti­ker, der sich schon seit buch­stäb­lich Jahr­zehn­ten mit Netz­po­li­tik beschäf­tigt, der gleich­zei­tig sogar an den der­zeit gül­ti­gen Straf­rechts­teil hin­sicht­lich Kin­der­por­no­gra­fie mit­ge­schrie­ben hat. Von sei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Poli­ti­ker­fah­rung mal ganz zu schweigen.

Eine junge Par­tei wäre blöd, sich sol­ches Know How ent­ge­hen zu lassen.

Ande­rer­seits ist es gleich­zei­tig natür­lich schon ein wenig poli­tisch blöd, die­sen Mann öffent­lich zu prä­sen­tie­ren (wenn das durch die Par­tei auch gar nicht so viel war, Herr Tauss prä­sen­tiert sich haupt­säch­lich selbst), und damit ein gefun­de­nes Fres­sen für Leit­ar­ti­kel­schrei­ber und, ahem, Satiriker.

Den­noch bleibt, dass der Kin­der­por­no­vor­wurf gegen die Pira­ten­par­tei halt sehr schmerzt. Gerade weil er, vom Selbst­ver­ständ­nis der Pira­ten­par­tei, genau das Gegen­teil von den Zie­len der Pira­ten ver­kör­pert. Die fragt sich näm­lich zum Bei­spiel, warum (pri­vat­wirt­schaft­lich geführte) Ban­ken Kre­dit­be­trü­gern im Inter­net welt­weit inner­halb von 8 Stun­den das Hand­werk legen kann, unsere Poli­zei aber eine Kin­der­por­no­seite angeb­lich nicht­mal inner­halb eini­ger Monate aus dem Netz bekommt und nun auch noch per Gesetz Warn­sei­ten für die Anbie­ter die­ses Schmut­zes aufbaut.

Im Ergeb­nis hoffe ich, daß die Pira­ten­par­tei als Gan­zes etwas aus die­ser Sache lernt: Mit Satire umge­hen zu kön­nen, und die Trolle in den eige­nen Rei­hen zu bän­di­gen. Ich jeden­falls werde mei­nen Teil dazu­tun. Und Sie ver­ste­hen uns jetzt viel­leicht ein klein wenig bes­ser, und erwäh­nen die Pira­ten­par­tei auch in Zukunft mit spit­zer Feder oder Zunge — nur eben ohne uns Kin­der­por­no­gra­fie anzulasten.

bye,
Chris­tian Buggedei

PS: Hier oben in Nord­deutsch­land nann­ten sich die Pira­ten um Klaus Stör­te­bee­ker übri­gens „Lie­ke­de­e­ler“ — „Gleich­tei­ler“. Und es ist belegt, dass auf Pira­ten­schif­fen trotz aller Bar­ba­rei auch die ers­ten moder­nen Demo­kra­tien herrschten.

Pira­ten­par­tei“ ist ohne Zwei­fel ein Kampf­be­griff, und wahr­schein­lich tat­säch­lich ein wenig puber­tär wie sie es nann­ten. Er nimmt aber eben nur den Namen auf, den die Musik­in­dus­trie den Nut­zern ange­hängt hat. Nun ver­su­chen wir, etwas posi­ti­ves dar­aus zu machen. Nicht immer wird die Par­tei die­sem Anspruch gerecht, aber so schnell geben wir nicht auf. :-)

18 Kommentare

  • […] Die­ser Ein­trag wurde auf Twit­ter von Jol­ly­Orc und Macm. Macm sagte: Full ACK RT @JollyOrc Reden mit Sati­ri­kern. http://​tinyurl​.com/​p​l​s​npl […]

  • Dem Arti­kel bzw. der Ant­wort bleibt nicht viel hin­zu­zu­fü­gen. Mal sehen, ob und wel­che Reak­tion erfolgt.

    P.S.: Typo: „in dem er sein (was?) darlegte“

  • ah, danke. Das „sein“ war ein Frag­ment aus einer Überarbeitung :)

  • m4rv` wrote:

    Kann das nur so unter­schrei­ben, sehr gut geschrieben…

    … danke!

  • *Clap* *Clap* *Clap* *Clap*

    Muss ich mich doch glatt verbeugen.

  • Armin wrote:

    *unter­schreib*

  • Auf jeden Fall: ACK!

  • Salgar wrote:

    *unter­schreib*

  • Volle Unter­stüt­zung für Deine Worte! Wir machen uns selbst oft genug über andere Par­teien lus­tig und ver­ste­hen dann kei­nen Humor, wenn es „gegen“ uns geht?
    Wie Du gesagt hast ist nicht jeder mit ner Pira­ten­flagge Par­tei­mit­glied und nicht jedes Mit­glied ver­tritt die gesamte Par­tei. Die „fleis­si­gen Bie­nen“ unse­rer Bewe­gung sind zur Zeit eh genug mit Info­stän­den, Pla­ka­ten und Grund­satz­ar­beit beschäf­tigt und haben mit Sicher­heit keine Zeit irgend jeman­den voll­zut­ex­ten und sogar zu belei­di­gen.
    Apro­pos: Grüsse an alle Trolle da draus­sen — sucht Euch einen Job oder ne andere Beschäftigung!

  • Der Nuhr hat also rum­ge­trollt. Tra­gi­scher­weise war es auch noch *unlus­ti­ges* Rum­ge­trolle. Wenn etwas weder von Ein­sicht noch von Humor geprägt ist, hat es als Satire wohl versagt.

    Gut wäre gewe­sen, wenn 100,000 Leute, ob Pira­ten, Pira­tin­nen, oder andere, ihm geschrie­ben hät­ten, dass er ein blö­der Idiot bzw. unlus­ti­ger Troll ist.

    Schlecht ist hin­ge­gen gewe­sen, daß auch nur ein ein­zi­ger eine Dro­hung aus­ge­spro­chen hat. :(

  • A. Nonymous wrote:

    Man muß aber auch fol­gen­des sehen: Im Gegen­satz zu den­je­ni­gen die heut­zu­tage unter der Bezeich­nung „Come­dian“ lau­fen, und deren gesam­ter Anspruch sich dar­auf beschränkt leid­lich wit­zig zu sein, hält sich Herr Nuhr für einen Kaba­ret­tis­ten. Das heißt er hält das was er da von sich gibt für gesell­schaft­lich rele­vant, er hat den Anspruch sei­nem Publi­kum eben nicht nur die Mund­win­kel nach oben zu zie­hen son­dern auf politisch/gesellschaftliche Miß­stände hin­zu­wei­sen und Men­schen humor­voll zum (Nach-) Den­ken zu bewegen.

    Wer er mit einem sol­chem Anspruch an die Öffent­lich­keit tritt sollte sich auch bemü­hen ihn zu erfül­len – und das war ihm offen­bar zu viel Arbeit. Er hat näm­lich erkenn­bar kei­nen blas­sen Schim­mer von den Zie­len der Pira­ten gehabt und sich auch nicht die Mühe gemacht sich zu infor­mie­ren, son­dern hat auf der Basis von All­ge­mein­plät­zen auf Stamm­tisch­ni­veau ein­fach mal kräf­tig vom Leder gezo­gen. Wenn ein Mario Barth auf die­sem Niveau her­um­kra­kehlt liegt das im Erwar­tungs­hori­zont des Publi­kums, bei einem der sich für eine Kaba­ret­tis­ten hält ist es ein­fach nur peinlich.

    Es gibt ein schö­nes, und hier sehr pas­sen­des, Zitat von Herrn Nuhr höchst­selbt: „Wenn man keine Ahnung hat, ein­fach mal die Fresse halten“.

  • Andy wrote:

    @A. Nony­mous

    Lie­ber A. Nonymous.

    Dem Herrn Nuhr geht es wahr­schein­lich wie fast allen Leu­ten, die nicht zufäl­lig ein Alter zwi­schen 25 und 35 haben, männ­lich und inter­netaf­fin sind und ein gro­ßes Inter­esse an der schlei­chen­den Kri­mi­na­li­sie­rung der Blo­gosh­päre und Inter­net­ge­meinde haben; er hat keine Ahnung wofür die Pira­ten­par­tei über­haupt steht.
    Das ist aber weni­ger der Feh­ler von Herrn Nuhr, als mehr das Pro­blem der Pira­ten­par­tei.
    Außer­halb des Inter­net fin­det die Pira­ten­par­tei näm­lich nicht statt. Der Außen­auf­tritt der Pira­ten außer­halb der Inter­net­ge­meinde ist verheerend.

    Es ist nun­mal lei­der so, dass die Pole­mik einer Frau von der Leyen den Bür­ger erreicht. Oma Schulze von nebenan denkt sich, sie tut ein gutes Werk, wenn sie deren Poli­tik durch ihre Stimme unter­stützt. Schließ­lich geht es ja um die armen Kin­der. Frag Oma Schulze mal nach der Pira­ten­par­tei… WENN sie von ihnen gehört hat, dann aller­höchs­tens als eine Par­tei, die die armen Kin­der nicht schüt­zen will, wie die Ursula. Außer­dem haben die doch die­sen Kin­der­schän­der aus dem Bun­des­tag in ihren Rei­hen. Und wie Chuzpe ist es eigent­lich, dass sie nicht nur alle Inter­net­pi­ra­te­rie betrei­ben, son­dern sich auch noch so nennen.

    Frag den Fami­li­en­va­ter Mül­ler von nebenan ein­mal nach der Pira­ten­par­tei… Jaja… Frei­heit schön und gut… aber außer Down­loads und File­sha­ring gibt es schon noch Dinge, die irgend­wie wich­tig sind: Bil­dung, Arbeits­platz, Chan­cen­gleich­heit, Rente, soziale Grech­tig­keit, Krieg in Afgha­nis­tan, Läeuk­ämie in der Nähe von AKWs… Dass es den Pira­ten gar nicht (vor­nehm­lich) um Tor­rents geht, son­dern sich Sor­gen um eine Frei­heit der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung und –ver­brei­tung machen, kommt so aber gar nicht bei dem Fami­li­en­va­ter Mül­ler an.

    Wäh­ler­gunst und Unter­stüt­zung ist eine Hol– und keine Bring­schuld. Wenn die Par­tei es nicht schafft, ihre Außen­wir­kung so zu beein­flus­sen, dass Oma Schulze und Fami­li­en­va­ter Mül­ler ver­ste­hen, was die Pira­ten eigent­lich wol­len, dann hat diese Par­tei zum einen ein Pro­blem und wird zum ande­ren ver­dien­ter­weise keine Stim­men von denen kriegen.

    Jetzt kom­men Leute wie Herr Nuhr ins Spiel. Dass sich Herr Nuhr über­haupt die Pira­ten als „Opfer“ gesucht hat, ist eigent­lich eine Ehre. Von den Vio­let­ten, der ÖDP und ähnli­chen Sons­ti­gen spricht er näm­lich nicht. Natür­lich will die­ser Herr Nuhr seine Dienst­leis­tung sei­ner Ziel­gruppe nahe­brin­gen. Er greift also Oma Schul­zes und Fami­li­en­va­ter Mül­lers Stand­punkt auf und über­spitz die­sen.
    Er spricht also von einer ziel­lo­sen Kinderschänderpartei.

    Ihm vor­zu­wer­fen, er hätte keine Ahnung bedeu­tet gleich­zei­tig sei­ner Ziel­gruppe(= der Bevöl­ke­rung) vor­zu­wer­fen, sie hätte keine Ahnung.
    Daran hät­ten dann aber ein­zig und allein die Par­tei selbst schuld.

    Es ist also nicht nur kin­disch, son­dern auch noch falsch Herrn Nuhr sein eige­nes Zitat um die Ohren zu hauen.

  • orkpiratenfan wrote:

    @Andy: Es ist heut­zu­tage nicht zu viel ver­langt sich zu infor­mie­ren, bevor man ein State­ment abgibt. Die Mög­lich­keit hat auch der Herr Nuhr, er hat sie ledig­lich nicht genutzt. Oma Schulze von nebenan nehme ich es nicht übel, wenn sie keine Ahnung hat, wer aller­dings pro­fes­sio­nell mit Infor­ma­tio­nen umgeht wie Herr Nuhr, der sollte solch einen Unsinn nicht von sich geben. Das ist kein Feh­ler der Pira­ten, das ist unpro­fes­sio­nell von Herrn Nuhr.

  • @orkpiratenfan: Andy stellt hier die These auf, dass Herr Nuhr eben nicht sei­nen eige­nen Kennt­nis­stand wie­der­ge­ge­ben hat, son­dern den ver­meint­li­chen Durch­schnitts­stand der Bevöl­ke­rung sati­risch über­spitzt als den eige­nen aus­ge­ge­ben hat. Und die­ser ist eben eher unin­for­miert, bzw. durch die Mas­sen­me­dien geprägt, und nicht durch die Aus­sa­gen die man bei Recher­che im Netz fin­det — denn diese Recher­che macht Oma Mül­ler und Otto Durch­schnitts­off­li­ner ja eben auch nicht.

  • […] Jol­ly­Orc: Reden mit Satirikern […]

  • Michael wrote:

    Bravo!

  • Wirk­lich eine super Ant­wort! Ich hoffe das Herr Nuhr das auch so sieht.

  • […] Reden mit Sati­ri­kern. – Die Ork­pi­ra­ten – Sehr gute Stel­lung­nahme vom Ork­pi­ra­ten an Die­ter Nuhr […]

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