Sind Pflastersteine eigentlich…

…ein legi­ti­mes Mit­tel der poli­ti­schen Willensbildung?

Wohl nicht, aber manch­mal kommt man doch arg in Versuchung:

Inzwi­schen liegt das Urteil aus Karls­ruhe vor. Es kommt zu dem Ergeb­nis, dass das 2004 beschlos­sene Luft­si­cher­heits­ge­setz, das die Abwehr von ter­ro­ris­ti­schen Angrif­fen neu regelte, keine aus­rei­chende ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­lage hat. Als muss man sie schaffen.

(Wolf­gang Schäu­ble im Spiegel-Interview von letz­ter Woche)

Ja, schon klar. Und wenn irgend­wann das Gesetz zur Ein­füh­rung des stand­recht­li­chen Erschies­sens bei Rot-über-die-Straße-gehen durch das Ver­fas­sungs­ge­richt gekippt wird, ändern wir die Ver­fas­sung eben auch ein­fach nochmal.

Gut, das war jetzt arg pole­misch, aber es bleibt: Wir haben das Grund­ge­setz ja nicht ein­fach so. Im Gegen­teil, da haben sich vor über 50 Jah­ren mal Leute hin­ge­setzt und über vie­les nach­ge­dacht. Und dann all‘ die Leh­ren, die wir aus unse­rer Geschichte zie­hen konn­ten, dort fest­ge­zurrt, auf daß spä­tere Poli­ti­ker sie nicht igno­rie­ren können.

Das bedeu­tet, daß man die Ver­fas­sung nicht ein­fach mal ändert, nur weil sie beim Behe­ben der Pro­fil­neu­rose im Weg ist. Sicher, es gibt das Pro­blem, daß momen­tan nie­mand einem Sol­da­ten recht­mä­ßig den Befehl geben kann, eine Pas­sa­gier­ma­schine abzu­schie­ßen. Selbst wenn diese gerade von Ter­ro­ris­ten gesteu­ert auf ein Kern­kraft zurast, und der Absturz mil­lio­nen Men­schen­le­ben kos­ten würde.

Aber wisst Ihr was? Das Auf­rech­nen von Men­schen­le­ben per Gesetz geht ein­fach nicht. Wo ist die Grenze? 1 zu 1? 1 zu 100? Es kann doch nicht sein, daß ein Gesetz einen Men­schen bin­dend dazu ver­pflich­tet andere unschul­dige Men­schen umzu­brin­gen. Krieg, also der Kampf von Sol­dat gegen Sol­dat, ist schon schlimm genug.

Das Pro­blem was ich mit die­ser Ein­stel­lung habe, ist daß schlei­chend, aber in gar nicht so klei­nen Schrit­ten, das bewusste Töten von Men­schen durch Gesetz gerecht­fer­tigt wird.

Eines sollte sich jeder bewusst machen: Wenn so eine Grund­ge­setz­än­de­rung gemacht wird, wird sie es min­des­tens erlau­ben den Tod von Men­schen zur grö­ße­ren Gefah­ren­ab­wehr bil­li­gend in Kauf zu neh­men. Und das resul­tiert irgend­wann darin, daß jemand es für legal hält, alle Leute mit Krank­heit XYZ umzu­brin­gen, da sie sonst ja die rest­li­che Bevöl­ke­rung anstecken…

Nein Danke, bevor es so weit kommt, besorge ich mir ein paar Pflas­ter­steine. Bis dahin: Wenn jemand ernst­ge­meinte Vor­schläge zur nächs­ten Wahl hat, höre ich gerne zu.

4 Kommentare

  • Die letzte große Koali­tion hat den „Deut­schen Herbst“ her­vor­ge­bracht, man könnte fast mei­nen da legts wie­der jemand dar­auf an :(

  • JollyOrc schrieb:

    man könnte es glau­ben, in der Tat. Ich befürchte nur, daß es schlicht Berech­nung ist; es wird schon kei­ner dage­gen aufbegehren.

  • Brot und Spiele“ oder auch bekannt als „Harz 4 und WM“

  • Das Urteil des BVerfG geht ja noch wesent­lich wei­ter: es *kann* *nie­mals* ein Gesetz geben, das genau diese Auf­rech­nung erlaubt, egal wie man das Grund­recht ändern möchte. Art. 1 ist unver­letz­lich, Punkt.

    Des­we­gen agi­tie­ren Jung und Schäu­ble ja auch mit dem Stroh­halm des „außer­ge­richt­li­chen Nostands“, der übri­gens (wen wundert’s) juris­tisch und ver­fas­sungs­recht­lich höchst umstrit­ten ist.

    Letzt­lich geht es Schäu­ble darum, das Kriegs­recht auf Ter­ro­ris­ten anwen­den zu können/dürfen, um die Bun­des­wehr im Inne­ren ein­zu­set­zen. Das ist zwar nicht ziel­füh­rend, denn die strikte Abkehr genau davon war mit Hin­ter­grund des Drit­ten Rei­ches expli­zit gewünscht, aber es würde ihm hel­fen, noch dras­ti­schere und dra­ma­ti­schere For­de­run­gen wie die Inter­nie­rungs­la­ger ein­zu­for­dern — und wohl auch zu bekommen.

    Wenn *die­ser* Damm ein­mal gebro­chen ist, gibt es für diese Flut kein Hal­ten mehr. Dann Gnade uns $deity.

    Ich ver­stehe weder Herrn Schäu­ble noch Herrn Jung — und ich ver­stehe noch viel weni­ger, daß es ernst­haft jeman­den geben kann, der diese bei­den Panik­ma­cher und unver­ant­wort­li­chen Het­zer und Scharf­ma­cher noch in ihren Posi­tio­nen bestä­tigt und sie wei­ter­hin wir­ken läßt.

    Die­ses Land und seine Regie­rung machen mir immer mehr Angst.

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