Von Eloque über Anure und zurück

Manchmal bastelt man an einer Charakteridee, und es passieren die seltsamsten Dinge. So wie an diesem Beispiel.

Da wäre zunächst einmal Eloque Drachenprinz. Dieser Elb sollte uralt aber absolut weltunerfahren sein, weil er 1000 Jahre in einer Drachenhöhle verbracht hat. Die Hintergrundgeschichte sollte noch viel seltsamer werden, aber irgendwie bin ich nicht wirklich weit damit gekommen. Also schlief Eloque selig auf meiner Festplatte, und nichts passierte… 

Important, c’est la rose…

Da wandere ich heute arglos durch Hamburg, und da springt mir doch ein Konzertplakat ins Auge:

Gilbert Becaud — Musikhalle, Großer Saal

Und da schoss es mir wie Feuer durch die Gedanken: Meine uralte Otto-Platte! Die habe ich als unschuldiger Knabe gehört, nicht ahnend, was da schlüpfriges durch den Lautsprecher meines Plattenspielers drang. „le potenz, dans ma hose…“

Ich hätte nie gedacht, daß es diesen ominösen Glbert Becaud tatzwarhaftig geben könnte. Nun, so ergibt wirklich alles im Leben einen Sinn…

Morgenrituale — oder die Kunst der Naßrasur

Wer kennt sie nicht, die bunte, und effektheischende Werbung für all die Hilfsmittel die Mann braucht, um morgens das Gestrüpp aus seinem Gesicht zu entfernen? Und was es da alles gibt: Elektrorasierer, Naßrasierer mit 3 bis 14 Klingen und doppelter Achsenfederung, Elektrische Naßrasierer, Rasiergel, Rasierschaum, Rasierwasser, After Shave Balsam und noch viel unglaublichere Dinge. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, daß man an etwas unheimlich Großem teilnimmt, einfach nur beim Rasieren.

Nun ich weiß ja nicht wie sich die anderen Herren der Schöpfung da draußen morgens rasieren, ich für meinen Teil habe vor einiger Zeit wieder zur Naßrasur gewechselt. Zwei Gründe sprechen aus meiner Sicht dafür: Zum einen ist es gründlicher, und zum anderen ist es ein morgendliches Ritual, das ich ausgiebig zelebriere (wobei wir endlich beim Thema der Überschrift angelangt sind.)!

Solche Rituale nehmen den Streß aus dem Aufstehen. Man nimmt sich eine x‑beliebige Tätigkeit, baut ein Ritual um sie herum auf, und verbringt so eine gewisse Zeit jeden Morgen, ohne daß man sich irgendwie um den Rest des Tages sorgen muß. So etwas ist Entspannung pur, und wer das auch haben will, für den folgt hier die Beschreibung meines Morgenrituals, und gleichzeitig ein kleiner Aufsatz über die Naßrasur.

Ja, ich gebe zu, ich spreche hierbei nur die männlichen Leser an. Allerdings dürfen auch Frauen diesen kleinen Aufsatz lesen, dann wissen sie wenigstens, was wir Männer so lange im Bad treiben.

Das Ritual geht schon mit der Vorbereitung los. Zuerst legt man sich alles zurecht: Den Schaum, den Pinsel, den Rasierer selber. Solche Vorbereitungen sind wichtig, schließlich zelebrieren wir hier ein Morgenritual. Und dazu sollte man sich in die richtige Stimmung versetzen.

Auch das Ambiente muß stimmen: Nehmt Euch Zeit mit, wenn man hetzt, wird das Ergebnis dementsprechend aussehen. Und das Bad sollte (gerade jetzt im Winter) gut geheizt sein. Das ganze macht schließlich nur halb so viel Spaß, wenn man dabei friert oder auch nur fröstelt.

Dann den Bart befeuchten. Ich nehme dazu warmes, fast heißes Wasser, daß macht die Haut gleich ein wenig weich und öffnet die Poren — zumindest habe ich so was mal irgendwo gelesen, und lesen bildet schließlich.

Nun kommt eine der ersten Entscheidungen: Was für Schaum soll man nehmen? Da gibt es ja allerhand. Das Angebot reicht von der klassischen Rasierseife, die man erst mit Hilfe von Wasser in Schaum verwandelt, über Rasiercreme, Rasierschaum aus der Dose bis hin zu diesen ominösen Gels, die dann auf der Haut zu Schaum mutieren.

Ich pendele noch zwischen Schaum aus der Dose und richtiger Rasierseife. Ersteres ist so schön bequem, und auf der Dose steht meist auch noch „Guten Morgen“, letzteres hat aber einfach mehr Stil, und ist meiner Ansicht nach auch irgendwie angenehmer. Rasiercreme mag ich irgendwie nicht so gerne, sie schäumt so gar nicht, und wird während des Rasierens teilweise so fest wie eine dieser Gesichtsmasken — grausig so was.

Aber egal woher der Schaum kommt, irgendwann muß er auf das Gesicht! Schön gleichmäßig entweder mit der bloßen Hand oder mit einem Pinsel auftragen. Nicht zu dünn, nicht zu dick. Etwas mehr als einen halben Zentimeter ist in Ordnung.

Der schon Äonen dauernde Streit zwischen bloßer Hand und Pinsel ist eigentlich schon dann entschieden, wenn man zu Schaum aus der Dose greift. Egal ob Gel oder richtiger Schaum, hier braucht es keinen Pinsel mehr. Nimmt man Rasierseife ist es auch klar: Um den Schaum herzustellen bedarf es des Pinsels. Beim Rasierpinsel sollte auf keinen Fall gespart werden, sonst hat man nach dem Einschäumen die falschen Haare im Gesicht.

Nun endlich kann Mann sich an das eigentliche Handwerk machen, dem Rasieren. Dabei aber immer mit dem Haarstrich gehen, dann schneidet man sich weniger, und die Haut wird auch nicht so stark gereizt. Ich hatte mich jahrelang falsch rasiert, bis ich irgendwann diesen Tip erhalten hatte!

Aber nun seid doch mal ehrlich: Was gibt es schöneres, als wenn man so morgens noch halb verschlafen vor dem Spiegel steht, sich den Schaum in das Gesicht gerieben hat, und nun genüßlich mit so einem Rasierer den Bart abschabt.

Ich selber benutze ja nun nicht so einen neumodischen Kram mit Lubrastrip, Mach24 oder gar gefedert. Nein, eher so einen klassischen Rasierer, von der Art wie man ihn in jedem Reiseset findet — nur natürlich nicht so billiges Plastik sondern richtig solides schweres Metall (Wrow! Wrow! Wrow! macht da der Heimwerkerkönig!)

Aber auch hier spielt natürlich Geschmack und persönliche Vorliebe eine starke Rolle. Für mich ist das allerdings auch die Frage nach dem Verhältnis von Preis und Leistung. Meiner Meinung sind die Billig-Einwegklingen dabei doch wirklich ungeschlagen. Mit ein wenig Übung rasieren die mindestens genauso gut wie die High Tech-Boliden, kosten aber nur einen Bruchteil

Ganz harte Kerls rasieren sich natürlich mit der offenen Klinge, sprich einem richtigen Rasiermesser, à la Jack the Ripper. Das hat den Hauch von Abenteuer, will aber auch gekonnt sein, sonst schabt und schabt man, und der Bart ist immer noch dran.

Ist der Schaum und mit ihm der Bart verschwunden wasche ich das Gesicht noch einmal mit eiskaltem Wasser nach. Damit wird der restliche Schaum weggespült, die Poren schließen sich wieder (und kleinere Blutungen hören auf, falls man sich geschnitten hat) und spätestens jetzt bin ich wirklich wach.

Als letztes folgt irgendein After Shave zur Desinfektion und für den Wohlgeruch. Die Industrie bietet hier ja für jeden Geschmack etwas, und wem normale Rasierwasser zu sehr brennen (er sei kein Mann mehr, sondern fortan ein Warmduscher und Schwammspüler), der kann mittlerweile auch zu sanfteren Mittelchen greifen.

So, daß war mein Morgenritual. Ich finde es wesentlich angenehmer, als morgens einige Minuten mit einem brummenden Plastikkasten mein Gesicht abzufahren. Und außerdem ist das Gesicht zweifelsfrei glatter; wenn Frau sich überzeugen will, kann sie sich gerne bei der Redaktion melden (Aber bitte mit Bild :-) ).