Ist die Piratenpartei frauenfeindlich? Nein!

Gerade gelesen:

Piraten sind qua Definition keine Gentlemänner. Es wäre naiv, darauf zu hoffen, dass sie sich darum scheren, wie es anderen geht, zum Beispiel Frauen. Piraten fühlen sich grundsätzlich für andere nicht zuständig. Zum Beispiel hat mir einer auf eine Mail, in der ich sie für ihre Männerlastigkeit kritisierte, geantwortet, gerade ich als Feministin müsste doch bei ihnen eintreten, um gegen diese Männerlastigkeit etwas zu unternehmen. Das ist natürlich nur eine Variante des allgemein weit verbreiteten Satzes, mit dem feministische Anliegen heute gekontert werden: Ihr Frauen seid doch selbst schuld.

Fairerweise, muss ich sagen, dass es im verlinkten Artikel das Wort „Piraten“ in vielerlei Kontext, und nicht nur für Mitglieder der Piratenpartei verwendet wird. Und die Piratenpartei hat mit Piraterie in jeglicher Hinsicht auch nichts zu tun. In dem zitierten Absatz wird aber sehr wohl von der Piratenpartei gesprochen.

Und da rege ich mich gerade ein klein wenig auf. Nur weil keine Frauen in die Partei eintreten, sind dieser Frauen egal? Also wirklich, das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Die Piratenpartei nimmt Frau wie Mann mit Kußhand als Mitglied auf, sofern ein Bekenntnis zur Satzung der Partei vorliegt — und das schließt nur undemokratisches und zB rechtsradikales Gedankengut aus. Die Partei kann doch nicht losgehen und Frauen als Mitglieder zwangsverpflichten, die müssen wirklich selber eintreten. Nicht weil sie sonst nichts zu sagen hätten, oder weil ihre Agenda sonst nie berücksichtigt wird, sondern weil ich hoffe, dass auch ihnen die Themen wie Datenschutz, Bürgerrechte, Transparenter Staat und faire Bildung wichtig sind.

Ja, feministische Themen stehen nicht im Programm, genausowenig wie Umwelt, Außenpolitik oder dem Gesundheitswesen. Nicht weil es uns nicht interessiert, sondern weil es nicht Kernkompetenz ist. Wenn jetzt aber „haufenweise“ Leute mit solcher Kompetenz eintreten, und auf dem nächsten Bundesparteitag eine Mehrheit finden (was ich nicht für ausgeschlossen halte), dann kann auch so etwas Programm der Piratenpartei werden.

Aber Kritik an der Männerlastigkeit der Piratenpartei per se lasse ich nicht gelten: Mir ist kein Fall bekannt, in dem es irgendein Auswahlverfahren gegeben hätte, das Frauen als Mitglieder oder Parteiorgane benachteiligt hätte. Und Anicatha als Spitzenkandidatin der Schleswig-Holsteiner Piratenpartei ist sicherlich keine Quotenfrau, sondern eine engagierte Person mit klaren Zielen.

Edit: In dem Beitrag bei daniola wird ja ein ‚Maskulist‘ zitiert, der die Piratenpartei als Basis für ‚männerspezifische Probleme‘ sieht. Sehe ich nicht so, und ich kenne auch keinen Piraten persönlich der das so sähe. Allgemeiner PP-Forumsdisclaimer ist ja eh, dass dort auch nicht-Piraten posten dürfen, insofern sind alle Inhalte, die sich dort, aber nicht im Wahlprogramm oder der Satzung finden mit äusserster Vorsicht zu genießen.

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