(Basis)Demokratie?

Es gibt da ein recht bekanntes Churchill-Zitat. Es stammt aus einer Rede vor dem House of Commons, er hatte gerade die Wahl vom Juli 1945 verloren und war wohl darüber recht angefressen. Es lautet:

Democracy is the worst form of government, except for all those other forms that have been tried from time to time.

Ich finde dieses Zitat zwar polemisch, aber auch brilliant, denn ich kann Churchill hier sehr gut verstehen. Allerdings frage ich mich manchmal, ob es auch zur Basisdemokratie passen könnte. Ist sie besser als eine parlamentarische Demokratie?

Blograuschen und Andi Popp über direkte Demokratie

Meine Fresse — ich wünschte meine inhaltlich konstruktiven Artikel würden so ein Echo erzeugen wie meine dahingerotzten Aufreger über Aaron. Die Seitenzugriffe sind mehr oder weniger explodiert, ein ziemlicher Haufen an Kommentaren wurde hier hinterlassen. (Bei einigen war ich zugegebenermaßen kurz versucht sie zu löschen…)

Aber wenigstens fand ich in einem der Trackbacks auch schöne Dinge, wie zum Beispiel Andi Popps Beitrag zu den Schattenseiten der Direkten Demokratie. Das ist der Beitrag zu dem Minarett-Entscheid den ich mir von Aaron gewünscht hätte — Andi geht nämlich kaum auf den Inhalt des Volksentscheides ein, sondern konzentriert sich auf das, was auch Piratenthema ist: Direkte Demokratie. Sehr schöner und differenzierter Artikel Andi, chapeau.

Medienkompetenz: Dinge finden im Internet

Kris wirft mit Stöckchen und hofft auf Artikel zum Thema Medienkompetenz zu treffen. Eine sehr gute Idee, und da möchte ich mich doch glatt beteiligen. Dieser Beitrag wird sicherlich nicht so umfassend und genau wie Kris seiner, aber ich hoffe, dass er dennoch ein wenig hilfreich ist.

Mal eben etwas im Internet finden, oder „es zu googlen“ klingt ja erst einmal ganz einfach, fast schon trivial. Andererseits ist es anscheinend doch nicht ganz so trivial, denn warum sollte es sonst Seiten wie lmgtfy.com geben? Tatsächlich findet man im Internet wirklich zu fast jedem Problem eine Lösung, zu fast jeder Frage eine Antwort — selbst zu denen, die eigentlich gar nicht lösbar sind. Und natürlich einen Riesenhaufen Mist. Will man also sinnvolle und hilfreiche Dinge finden, müssen drei Dinge beachtet werden:

  1. Suche nach der Antwort, nicht der Frage
  2. Nutze die passende Suchfunktion
  3. Erkenne die korrekten Treffer

Nur wenn alles zusammenkommt, liefert das Internet wirklich hilfreiche Ergebnisse die sich auch weiterverwenden lassen. Aber der Reihe nach:

Suche nach der Antwort, nicht der Frage

So selbstverständlich das klingt, so schwierig kann es dennoch sein. Man sollte sich stets bewusst machen, dass eine jede Anfrage an eine Suchmaschine immer auf eine Volltextsuche durch das Internet hinausläuft. Das bedeutet, dass man einen Begriff oder eine Wortkette suchen muss, die in der gewünschten Antwort vorkommt. Statt zu fragen „Ich wohne in Hamburg, wie komme ich nach Paris?“ sollte man also eher nach „Routenbeschreibung Hamburg Paris“ suchen.

Das ist zum einen natürlich viel kürzer und daher schneller getippt, andererseits wird man die Frage so nicht auf irgendeiner Webseite ausgeschrieben finden, die Worte Routenbeschreibung, Hamburg & Paris hingegen schon eher.

Glück hat man, wenn es sich um ein rein technisches Problem handelt, dann darf auf die Existenz von gut gepflegten FAQ-Seiten gehofft werden. Diese enthalten dann nämlich meist tatsächlich genau die Frage die man sich gerade stellt. Aber auch hier gilt: Der Seitenbetreuer formuliert die Frage vielleicht anders, die Elemente der gewünschten Antwort sind aber meist alle irgendwie vorhanden.

Nutze die passende Suchfunktion

Nimm Google“ reicht für vieles aus, aber eben nicht immer. Wenn ich zum Beispiel etwas über einen Film wissen will, frage ich lieber direkt die IMDB. Bei Übersetzungsproblemen komme ich mit LEO weiter. Natürlich kennt auch Google all diese Seiten, aber die Verwendung der „passenden“ Suchseite stellt die Suche in einen Kontext: Wenn ich die IMDB nach „Welcome to the Jungle“ frage, ist klar, dass ich nach einem Film suche, Google müsste ich wahrscheinlich erst mehr oder minder mühsam klar machen, dass ich gerade kein Interesse an Guns’n’Roses habe.

Es hilft also, sich einen Katalog an durchsuchbaren Spezialseiten zuzulegen, und zu wissen wann welche am besten passt. Wenn ich nach einem (US-englischen) Slangbegriff fahnde, werde ich eher eine sinnvolle Antwort beim Urban Dictionary bekommen, als wenn ich ihn direkt bei Google suche: Ersteres wird mir stets nur eine Definition liefern, während Google mir haufenweise Seiten präsentiert, die diesen Begriff verwenden. Ein Traum für Sprachforscher, aber nicht hilfreich, wenn ich einfach nur wissen will, was mein Chat-Gegenüber mir gerade sagen will.

Kleiner Tipp: Firefox hat im „Schnellsuche“-Lesezeichenordner viele hilfreiche Quicklinks für solche Fälle vorbereitet.

Erkenne die korrekten Treffer

Suchmaschinenoptimierung ist anscheinend ein dickes Geschäft. Und als Resultat finden viele Suchmaschinen neben den Dingen die einen interessieren, viele-viele Seiten, von denen die Betreiber möchten, dass sie einen interessieren. Oder man zumindest mal draufklickt, damit die Werbebanner Umsatz machen.

Also nicht einfach immer auf den ersten Link klicken :). Zuerst mal die Trefferliste durchsehen. Bei technischen Problemen sollte man schauen, ob nicht ein Treffer auf der Herstellerseite dabei ist. Die meisten Suchmaschinen zeigen zudem kurze Snippets an — wird dort die richtige Frage gestellt, oder scheint es sich um die gesuchte Antwort zu handeln?

Vorsicht ist hingegen geboten, wenn die Snippets oder die URL gar ganz genau die gesuchte Phrase enthalten. Das sind dann häufig Linkfarmen die einem im besten Fall einfach nur viel Werbung präsentieren, im schlimmsten Falle hingegen auch noch mit Viren und anderem Mistzeug belästigen.

Selbst wenn der Link auf den ersten Blick seriös aussieht, und die gefundene Information plausibel erscheint: Nichts was im Internet steht, sollte ungeprüft übernommen werden. Findet sich die gleiche Information auch auf anderen Seiten? sind vielleicht bekannt vertrauenswürdige Seiten dabei? Werden Quellen zur Herkunft der Information genannt, und sind diese überprüfbar?

Es hilft, wenn man sich nicht nur die gefundene Stelle einer Webseite ansieht, sondern auch mal links und rechts davon auf der gleichen Seite umschaut. Passt das Umfeld zur Information? Erscheinen die Autoren auf ihrem Gebiet kompetent? In welchem Kontext wird die Information angeboten?

In der Regel kann man mit diesen Filterfragen recht schnell die „guten“ Treffer herausfiltern und gegenprüfen. Mit nur ein wenig Übung bekommt man so wirklich schnell einen guten Überblick zu jedem Thema.

Bedingungsloses Grundeinkommen?

Das Thema kocht ja in der Piratenpartei immer wieder mal hoch, es wird leidenschaftlich über die Machbarkeit und Konsequenzen gestritten. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, kurz BGE, setzt aber einen grundlegend neuen Gesellschaftsvertrag voraus:

Unter BGE-Bedingungen wird Arbeit nicht geleistet um den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wird geleistet, um sich von der Masse abzuheben, um der Gesellschaft etwas zu geben, um sich selbst zu verwirklichen, whatever.Nicht aber um die eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen, die werden einem quasi „geschenkt“.

Zusätzlich stellt das BGE auch die klassische Lohnleiter auf den Kopf: Heutzutage werden Berufe und Positionen die interessant sind und auch viel Macht verleihen, also an sich schon denjenigen „belohnen“, der sie ausfüllt, zusätzlich stark monetär entlohnt. Zugleich sind diese
Positionen rar gesät, es gibt mehr Interessenten für diese als verfügbare Stellen.

Nach den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage müssten diese Jobs eigentlich einen recht niedrigen Lohn zahlen — (niedriges Angebot an Jobs, hohe Nachfrage seitens der Bewerber. Oder eben auch: Hohes Angebot an Bewerbern, niedrige Nachfrage seitens der offenen Positionen).

(vereinfacht lasse ich hier einmal den Ansatz „viel Verantwortung/Hohes Risiko == hohes Salär“ aussen vor. Zumal das Risiko das viele
Führungspositionen tatsächlich haben über die Jahre eher gesunken ist, Stichwort „goldener Fallschirm“)

Im Bereich der „dreckigen“ Jobs siehts genau anders aus: Diese Berufe sind gesellschaftlich notwendig, sind nicht sonderlich beliebt (und daher nicht die erste Berufswahl). Dennoch kommt hier Spott zum Schaden: Sie sind hart UND schlecht bezahlt. Wiederum nach reiner Marktwirtschaftslehre eigentlich seltsam.

Mit Einführung eines BGE wird diese Sache nach Marktwirtschaftslogik endlich vom Kopf auf die Füße gestellt: Die wirklich gesellschaftlich
wichtigen Aufgaben, solche die unsere Infrastruktur und unser Funktionieren sichern müssten überproportional gut bezahlt werden, um
sicherzustellen, dass genügend Personal für diese zur Verfügung steht.

Gesellschaftlich „überflüssige“ Tätigkeiten, also solche die nur den direkten Auftraggeber bereichern, sonst aber keinen gesamtgesellschaftlichen Beitrag leisten fallen dabei unweigerlich ab. So ein Gesellschaftskonstrukt muss uns zwangsläufig erst einmal unsagbar
dysfunktional und seltsam vorkommen, es widerspricht unserer intuitiven Lebenserfahrung.

Die Idee ist also zutiefst utopisch, im klassischen Wortsinn.

Nur wenn wir uns darüber klar werden, welche Reichweite ein Konzept wie das BGE wirklich hat, kann man ernsthaft darüber diskutieren. Dann sollte man aber auch langfristig über alternative Wertsysteme nachdenken, man google zum Beispiel mal nach Whuffie.