Streit’s schließt 2013

Englischsprachige Filmtheater haben es in Hamburg schwer. Erst machte das Grindel zu, jetzt steht es schlecht ums Streit's.

Allerdings muss man fairerweise sagen, dass es nicht das Problem der schlechten Besucherzahlen oder eines gierigen Kinobetreibers zu sein scheint, dem die Einnahmen nicht reichen. Ebenso wie beim Grindel hat hier der Vermieter sich dazu entschlossen, das Gebäude einer anderen Nutzung zuzuführen.

Als Kinobesucher steht man da wie der Ox vorm Berg: Man kann ja schlecht den Vermieter zwingen, sein Gebäude so oder so zu nutzen. Spenden, Demonstrationen, Unterschriften… all das kann zwar mehr oder weniger Meinungsdruck erzeugen, aber kaum wirklich was bewirken.

Nach meinem letzten Stand ist Christoph Reimers Immobilien e.K.  der Eigentümer — ein Einzelunternehmer. Jemand, der für dieses Geschäft nicht einmal eine Homepage zu haben scheint. Eine Facebook-Gruppe wird den sicher beeindrucken.

Das Problem ist schlicht, dass Kinos gerade in der „richtigen“ Innenstadt im Vergleich zu Büros und Luxusläden unattraktive Mieter sind. Und solange ihnen die Gebäude nicht gehören, oder sie diese von einem Gönner erwschinglich vermietet werden, werden sie immer wieder aus solchen Lagen vertrieben werden. Siehe City & Grindel, siehe auch UFA — es scheint ein Wunder, dass das Passage wieder da ist.

Was hilft? Ich vermute nur eine gezielte Kulturförderung durch die Politik — und sei es nur durch hilfreiche Bauauflagen.

Persönliches hinten auf der Deichking‐DVD

Ich hatte ja versprochen, dazu noch etwas zu schreiben: Michael Söth weist ja auf der Rückseite der Deichking‐DVD eindringlich und in drastischen Worten darauf hin, daß Raubkopien ja ein finanzielles Desaster für Kleinstproduktionen wie zum Beispiel Deichking seien.

Danach erklärt er kurz, dass solche Produktionen in der Regel selbstfinanziert sind, und doch auch unterstützenswert seien. O‐Ton: „Oder hört auf, euch über die Scheißfilme, die täglich im TV und Kacksongs, die im Radio laufen zu beschweren.“

Ja gut, sachlich hat der Mann Recht: Solche Produktionen gehören unterstützt. Und nur wenn das passiert, wird das Niveau der produzierten Filme steigen können. Und wenn jemand 100.000 € eigenes Geld investiert, ohne vorher schon Millionär zu sein, dann ist das ein beträchtliches Risiko. Na klar ärgert man sich da, wenn der Film dann massenhaft kopiert wird.

Aber: Mit Verlaub, Filme wie Deichking werden nicht massenhaft raubkopiert. Siehe meinen Beitrag Tauschbörsentrouble von vor ein paar Jahren. Das ist das eine. So sehr es auch dem Ego schmeicheln mag („Die raubkopieren MEINE Sachen! Tausendfach!“), die Realität sieht leider anders aus. Ich behaupte mal dreist, dass die Anzahl der übers Internet verbreiteten und angesehenen Deichking‐Kopien maximal im unteren dreistelligen Bereich liegen. Eine Torrent‐Suche gibt heute zum Beispiel nur noch tote Links raus.

Dafür dann aber eine passiv‐aggressive Publikumsbeschimpfung („Kopier mich nicht, sonst klaust Du mir das Brot vom Teller!“) auf der Verpackung des gerade eben gekauften Produktes durchzuführen finde ich ..

…gelinde gesagt  kontraproduktiv. Wer diesen Text liest, tut das, weil er gerade freiwillig Geld für das Produkt ausgegeben hat. Meistens sogar zum zweiten Mal, da der Film wahrscheinlich schon im Kino oder im Fernsehen (bezahlt via GEZ) gesehen hat.

Ich werde auch den nächsten Film von Herrn Söth kaufen, der Teaser sieht nämlich lustig genug aus. Aber ich hoffe doch sehr, dass der in etwas freundlicherem Tonfall verpackt wird.

Gesehen: Bis zum Ellenbogen

Ich sag ja immer: Der Deutsche Film ist gar nicht tot. Allerdings sollte man ihn lieber in den kleinen Independant‐Produktionen suchen, wie Deichking oder eben der gestern gesehene „Bis zum Ellenbogen“.

Diese schwarze Komödie ist, genau wie Deichking auch, aus 2007, damals aber völlig an mir vorbeigegangen. Im Kern ist es eine Variante von Immer Ärger mit Harry/Bernie, bietet dabei aber eine durchaus eigene Story, mit ganz eigenem Charme und schön gezeichneten Charakteren. Kurz gefasst: Der naive Bankangestellte Sven stirbt auf einer Almhütte, und die beiden Zufallsbekanntschaften Willi (Hartz IV‐Empfänger) und Achim (Berufsschwiegersohn und NLP‐Trainer) schaffen jetzt seine Leiche nach Sylt um damit einen Bankraub durchzuziehen.

Man merkt schon bei der ersten Einstellung, dass es sich hier nicht um eine Hochglanzproduktion sondern um ein Kind der Liebe handelt, mit verhältnismäßig minimalen Mitteln gedreht. Auch das Timing der Szenen, die häufig eigenwiligen Momente sind sicherlich nicht mainstream‐tauglich, aber aus meiner Sicht macht das den Film nur noch liebenswerter. Zu Anfang kann man eigentlich weder Willi noch Achim leiden, beide haben offensichtliche soziale Defizite. Aber man gewinnt sie lieb, während sie sich mit dem (immer stärker stinkenden) toten Sven quer durch Deutschland plagen.

Dazu kommt, dass ganz behutsam immer wieder auch sehr liebenswerte Eigenschaften und Fähigkeiten wie nebenbei präsentiert werden. Das überrascht zwar nicht, und die meisten Verwicklungen sieht man natürlich meilenweit kommen, aber bei Filmen dieser Art ist eh der Weg das Ziel (da der Film während der WM 2006 gedreht wurde sorgt auch das übrigens immer wieder für Seitengags und Ambiente).

Ich war jedenfalls hervorragend unterhalten, und empfehle den Kauf der DVD uneingeschränkt.

(Zum Kauf von DVDs, Kleinproduktionen und Filmpiraterie schreib ich übrigens später nochmal was. Michael Söth hat dazu nämlich was auf das DVD‐Cover vom Deichking geschrieben, und das muss ich noch kommentieren…)

Gesehen: Avatar

Ja, der Film ist im Endeffekt ein Remake von „Der mit dem Wolf tanzt“. Ja, die Action‐Sequenzen sind großartig. Die CGI‐Effekte machen wirklich was her und verlassen in Sachen Gesichtsanimation gerade das Uncanny Valley um tatsächlich real zu wirken.

Oh, und der Schurke des Films? Der ist so sehr Badass, den muss man eigentlich mögen. Ich hab also viel Spaß gehabt.

Mein Beef: Die Fauna von Pandora passt vorne und hinten nicht zusammen. Hier bei uns haben alle nicht‐Insekten vier „Beine“ — selbst bei Schlangen ist nachweisbar, dass sie irgendwann mal welche hatten. Auf Pandora? Da ist alles zu haben, ohne dass irgendwelche Arten-„Familien“ zu erkennen sind. Ok, vom ersten Anschauen vielleicht, aber dann passen wieder Gliedmaßen‐ oder Augenanzahl nicht mehr. Die „Pferde“ scheinen auch einfach nur zwei seltsame Extra‐Beine bekommen zu haben, nur damit sie fremd ausschauen — lange werden diese übrigens nicht im Detail gezeigt, wahrscheinlich weil die Lauf‐Animation mit sechs Beinen wohl doch nicht ganz rund ist.

Die Na’vi sind auch so eine Sache: Der DesignProzess lief wohl in etwa so aus:

Macht mal Indianer!“

hmm.. nee, die müssen ausserirdisch wirken, machen wir sie mal zwei Köpfe größer. Und blaue Haut.“

hmm.. vielleicht nur vier statt fünf Finger?“

ein Schwanz! Genau, die brauchen alle noch einen Schwanz. Wirkt atavistischer.“

wo lassen wir denn das Neural‐interface‐dingens, damit die sich mit den Tieren verbinden können? Genau, ich weiss: Im Zopf““

(Alle anderen Lebewesen, die über solche Verbindungsdinger verfügen haben stets zwei, am Ende ihrer Kopftentakel… irgendwie passt das nicht. Und soll ich etwa glauben, daß der Zopf so geflochten wächst?)