Urheberrecht und Wahlspots — man lernt nie aus.

Im Juli hab ich ja schonmal einen Werbespot für die Piratenpartei verlinkt. Genau der hat dann auch (kaum überraschend) den Piratenspot-Wettbewerb gewonnen. Da gibt es zwar mittlerweile einen Spot, den ich persönlich massenkompatibler finde, aber das tut der Qualität des Siegers ja keinen Abbruch.

Was allerdings nicht ganz unwichtig sein könnte, sind die potentiellen Urheberrechtskopfschmerzen mit der Hintergrundmusik des Siegerspots. Die besteht nämlich zum Großteil aus neu abgemischten Samples aus Mary Poppins. Das ist ziemlich gut gemacht, mir fiel das gar nicht auf, obwohl mir die Kinderstimmen irgendwie bekannt vorkamen.

Insofern belegt der Spot eindrucksvoll, daß Remixe tatsächlich eine kulturelle Neuschöpfung sein könnten, und hier das (deutsche) Urheberrecht doch bitte nicht so streng sein sollte. Andererseits bewegt sich die Piratenpartei unter Umständen tatsächlich auf rechtlich dünnem Eis: In Australien (dem Wohnsitz von Pogo, von dem die Musik stammt) sind solche Remixes komplett legal, in Deutschland ist das anscheinend noch etwas unklar.

Christopher, der Macher des Piratenspots hat im Vorwege soweit es möglich ist alle Lizenzfragen geklärt, wirklich hervorragende Arbeit. Ich persönlich halte die Verwendung sowieso für zumindest moralisch einwandfrei. Aber es zeigt eben auch deutlich, auf was für dünnem Eis sich alle Kulturschaffenden momentan wirklich bewegen.

4 Gedanken zu „Urheberrecht und Wahlspots — man lernt nie aus.

  1. So unübersichtlich ist die Rechtslage eigentlich nicht, http://bundesrecht.juris.de/urhg/__24.html:

    § 24 UrhG Freie Benutzung
    (1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
    (2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.

    Entscheidend ist, ob die Melodie aus den Aufnahmen von Mary Poppins entnommen ist. Wenn sie das ist, ist auch nicht besonders überraschend, dass das geltendem deutschen Recht widerspricht. Aktuelle Rechtsprechung des BGH:

    http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=2008&Sort=3&Seite=13&nr=46823&pos=403&anz=3636

  2. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist die Melodie eigenständig, aber eben aus Samples der Stimmen aus dem Film zusammengesetzt.

    Ist das jetzt eine eigene Schöpfung?

  3. Ja, das ist auf jeden Fall eine eigene Schöpfung, aber das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob diese Schöpfung benutzt werden darf, ohne das (auch!) der Rechteinhaber der Samples zustimmt.

    Es kommt dabei darauf an, ob die Samples selbst (kurze) erkennbare Melodien enthalten. Wenn ja, ist’s unzulässig, auch wenn die daraus zusammengesetzte Gesamt‐Melodie von jemand anderem geschaffen wurde.

  4. Hmmm… Ich sag mal: Die Samples sind keine eigenen erkennbaren Melodien, das sind ja immer nur einzelne Silben, die da remixed worden sind. Insofern sollte das sicher sein.

    Andererseits, wir reden über Disney…

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