Bahnfahren mit Kindern.

Da ich ja hoffnungslos technikverliebt bin, reserviere ich für längere Bahnfahren ja stets einen Platz mit Tisch, wenn möglich sogar mit Steckdose. Bisher hatte ich damit Glück, saß mit lauter Businesskaspern zusammen und hatte meine Ruhe.

Heute nicht ganz. Mit mir am Tisch sitzen drei Geschwister die alleine Reisen: Die Große Schwester (ich schätze sie mal auf zwischen 14 und 16), den Mittleren Bruder (wahrscheinlich 12) und den Nervigen Jüngsten (8 bis 10). Die Große Schwester hat eindeutig von Mutti Order bekommen auf ihre Geschwister aufzupassen. Konsequenterweise ist sie ständig damit beschäftigt den Nervigen Jüngsten daran zu hindern unter den Tisch zu krabbeln, sich vom Mittleren Bruder die Autorität nicht kaputtmachen zu lassen, und ansonsten genervt zu sein.

Eine Bahnreise 1. Klasse hat sie sich bestimmt anders vorgestellt.

Nervigster Jüngster versucht die Langeweile einer Fahrt bis Hamburg-Dammtor wechselweise mit Nintendo DS, Micky Maus und dem gezielten Provozieren seiner Schwester totzuschlagen. Für letzteres reicht es tatsächlich aus, in nicht zu großen Abständen die anderen beiden Langeweilekiller zu wechseln. Ist tatsächlich ganz einfach, der Wechsel will nur zelebriert werden, und zwar mit Unter-den-Tisch-Krabbeln. Schliesslich muss das Ladekabel verstaut werden, das Comic wieder weggepackt sein, ein Schluck Eistee getrunken, das Ladekabel wieder hervorgekramt werden, die Feststellung der fehlenden Steckdose (ICE vor der Umrüstung, bah. Zum Glück hat dieses Notebook zwei Hochleistungsakkus.) bejammert, Ladekabel zurückgepackt.… Ihr erkennt das Muster.

Zwischendurch bekommt der Mittlere Bruder dann seine Auftritte: Anscheinend hat er seinem Bruder irgendwann mal weisgemacht, dass Handyfotos die Seele stehlen. Jedenfalls mag dieser überhaupt nicht fotografiert werden, erst recht nicht, wenn er gerade auf halben Wege unter den Tisch ist. Und da bei den modernen Klingelkistchen SMS schreiben und Handyfoto machen von aussen gleich aussieht, ist sich Nerviger Jüngster eben nie sicher — und bleibt vorsichtshalber gleich unterm Tisch.

Ich sag Euch, Große Schwester wird am Ende dieser Bahnfahrt entweder komplett abgebrüht sein, oder mit den Nerven am Ende.