I void warranties

steckerDa im Schlafzimmer ja noch eine ordentliche Lampe fehlte, und der Berliner Sommer ™ überraschend warm ist, haben wir uns im Juli einen Deckenventilator angeschafft. Dann festgestellt, dass so Berliner Altbaudecken ™ sich ganz schön schlecht zur Befestigung schwerer Dinge eignen. Na gut, da gibt es dann ja Profis, die kann man für akzeptables Geld anheuern. Solche Profis finden dann mit Hilfe neumodischer Technik auf Infrarotbasis den Deckenbalken und bringen das gute Stück an. Allerdings mit dem Hinweis, dass der Balken schon recht dünn sei, und man da besser nicht zu viel dran rüttelt. „Aber so hält das, keine Sorge!“

Tja, und nach zwei Wochen ging er dann nicht mehr, der Deckenventilator. Und zwar wegen dem in diesem Beitrag abgebildeten Stecker-Buchse-Paar. Das hat nämlich einen Wackelkontakt. (Sehr eindrucksvoll sowas, wenn man da dann dran wackelt, blitzt es hübsch an der Leitung…) Das ist zum einen sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, und trübt die Freude über so einen Ventilator, der dann gar nicht mehr ventiliert, schon beträchtlich.

Kein Ding, sollte man jetzt denken, hat ja Garantie das Teil.

Leider ist das teure gute Stück so konstruiert, dass ein Ende des kaputten Steckerpaares ziemlich gut mit der Deckenhalterung verbunden ist. So dass ich für den Umtausch das ganze Stück abmontieren müsste. Ihr wisst schon, das Stück, für das der Infrarotmessmann ™ hatte kommen müssen.

Nee, da mach ich dann doch lieber auf Punk, schneid das fragliche Stück raus, und ersetze es mit neuen Klemmen. Schön hell und kühl jetzt wieder…

Berlin!?

Ick bün ja ’n Hamborger Jung. So richtig, mit Deng. Und jahrelang habe ich immer gepredigt: Nee, ich zieh hier nicht weg. Wohin denn schon. Ist doch so schön hier.

Tscha, und so zwischen Weihnachten und Sylvester saß ich dann mit Harald und Kris zusammen, den dritten Cocktail oder so intus, und das ist dann ja der Zeitpunkt, wo Männer auch mal anfangen dürfen, etwas weinerlich zu werden. „nee, also, so mit dem Job gerade, also, so richtig Spaß macht das ja nicht. Und dann schaut das bei der Firma ja auch gerade nicht so rosig aus.. ach, ich weiß nicht.“

Freunde sagen dann einem aufmunternde Dinge. „Das wird schon.“ oder „lass Dich nicht unterkriegen!“

Gute Freunde sagen einem dann: „Du, ich kenn Dich ja. So einen wie Dich, den könnten wir doch auch bei uns im Laden brauchen!“

Sehr gute Freunde besichtigen nach dem erfolgreichen Vorstellungsgespräch mehrere Wohnungen in Deinem Namen, damit man nicht ständig für 20-Minuten-Termine nach Berlin fahren muss.

So kommt es also, daß ich nach über 41 Jahren in Hamburg, und 7 Jahren Consulting-Geschäft bei der SMP Management AG nach Berlin ziehe. Wo ich dann PreSales bei SysEleven mache – einen Job auf den ich mich mittlerweile ziemlich freue, weil ich dann endlich der Mensch-Geek-Übersetzer sein kann, der ich schon immer sein wollte!

ah, Callcenter-Spam

Die letzten paar Tage hat mein Telefon mich darauf aufmerksam gemacht, dass irgend so ein Callcenter versucht mich zu erreichen. Leider war ich da nie zuhause.

Heute haben sie es dann geschafft:

„Guten Tag, wir sind vom Telekom-Vertrieb beauftragt. Sie haben ja eine VDSL50-Leitung, und-„

„Ja, worum geht es denn?“

„Ja, wie schauen sie denn eigentlich fern? Satellit, Kabel-„

„Gar nicht.“

„Wie, gar nicht?“

„Gar nicht. Interessiert mich nicht.“

einige Sekunden perplexe Stille

„Aber, was ist denn so mit Tagesschau, wie informieren Sie sich denn?“

„Ich habe eine VDSL50-Leitung?“

Ich glaube, ich muss diese „ruft mich nicht an!“-Einstellungen nochmal überprüfen…

Ich bin geboren in Hamburg Barmbek…

Maximilian fragt uns nach unseren Stadtteilgeschichten. Gut, ich bin ja gar nicht in Barmbek geboren. Aber vor zwei Jahren bin ich wieder hierher gezogen. Es musste gar nicht unbedingt Barmbek sein, eigentlich hatte ich alles was sich irgendwie in das Dreieck Elbe-Alster-Horner-Kreisel einpassen liess in Betracht gezogen.

Aber schon bei der Anfahrt zur Wohnungsbesichtigung war mir klar, dass es Barmbek werden würde. Barmbek-Nord um genau zu sein. Und dabei bin ich hier gar nicht aufgewachsen, sondern im Dorf Hummelsbüttel. Barmbek ist für mich schon immer das Abziehbild der lebenswerten Stadt gewesen. Es gibt den gesamten Bedarf des täglichen Lebens in Fußreichweite. Trotzdem kann ich parken und abends meine Ruhe haben. Und die Wohnungen! Holzfußböden, alter Backstein, dabei aber klein genug, als dass sie zu teuer wären.

Und die Fuhle, also, die Fuhlsbütteler Straße. Ich erinnere mich noch genau, als Stöpsel nahm meine Mutter mich hierhin mit, wenn ich mal wieder neu eingekleidet werden musste. Und als Gymnasiast habe ich mehr als nur eine Freistunde in dem Billiardcafé neben dem Bahnhof verbracht.

Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Das Hertie-Gebäude verfällt, die meisten anderen großen Geschäfte haben schon vor einer Dekade einer Flut von 1-Euro-Läden weichen müssen. Teilweise sah man mehr „Zu Vermieten“ Schilder als sonstwas.

Doch die Gentrifizierung schlägt langsam aber unaufhaltsam zu: Die billigen Mieten zogen neben den türkischen Gemüsehändlern auch mitunter buntes Klientel an. Gleichzeitig galt Barmbek als so langweilig, dass die meisten Hipster doch eher wegblieben. Es lohnt sich auch bei weitem noch nicht, irgendwelche teuren Boutiqen zu eröffnen. Dennoch, die 1-Euro-Läden werden weniger, und hier und da eröffnen Geschäfte, die wirklich von Liebhabern betrieben werden.

Doch auch die dunkle Seite der Gentrifizierung ist sichtbar: Barmbeks Immobilien- und Mietpreise weisen mit die höchste Steigerung überhaupt auf. Das neue Quartier 21, aus der Zweitverwertung des alten Krankenhausgeländes hervorgegangen, können sich sicherlich nur die Besserverdienenden leisten. Davon soll es dann ab nächstem Jahr genug dort geben, dass sich das neue Meridian Spa auch lohnt.

Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, da versteht dann niemand mehr Lieder wie dieses hier von Schulzkes Skandal Trupp.