Mord nach Rezept

Vor einiger Zeit hat sich mein jahrzehntelanges hartes Bloggen ausgezahlt: Ich bekam ein kostenloses Produkt zugeschickt, mit der Bitte um Rezension.

Was gab es? Die Mord nach Rezept Krimidinner Box. Was so ein Krimidinner ist, muss ich glaube ich nicht mehr im Detail erklären, das ist ja schließlich schon seit Jahren ein Standard. Vor einiger Zeit verbloggte ich schon einmal so ein Erlebnis. Die Box von Culinario Mortale ist ähnlich hübsch gestaltet, und hat auf den ersten Blick, alles was man so braucht:

Anleitung, kombinierte Rollen- und Einladungsheftchen, Platzkarten und ein Ereignisheftchen. Die Heftchen haben einige Abschnitte, die mittels Perforation gegen unabsichtliches aufblättern geschützt sind. Hier soll man nur zu bestimmten Zeitpunkten weiterblättern. Die Platzkarten sind unbeschriftet, und in anderen Boxen fand ich auch noch Umschläge für den Postversand. Das braucht man alles nicht, und bei einem Preis von 23 Euro auch zu verzeihen, aber dennoch, irgendwie schade.

Schön fand ich die Idee, dass es je nach Spieleranzahl anscheinend andere Gruppenzusammenstellungen gibt. Damit wird sichergestellt, dass alle Mitspieler ausreichend Verbindungen haben. Warum auch diese Information per Perforation geheimgehalten werden muss, erschloss sich mir erst später: Der Mörder (oder die Mörderin) muss ja zwingend in allen drei Varianten enthalten sein, während die anderen Figuren ja ausgetauscht werden können. Weiß man das, engt es den Tatverdächtigenkreis schon stark ein.

Ein Kritikpunkt bei dem letzten Krimidinner war ja, dass die  Zeitlinie zu unübersichtlich war. Culinario Mortale splittet den Abend dafür in zwei Hälften, so dass man sich erst über die ersten paar Stunden und später über die letzten paar Stunden bis zum Mord streiten wird. Inwieweit das für mehr Übersicht sorgt, wird sich im Spiel zeigen müssen.

Die angebotenen Rollen entsprechen den gängigen Klischees des Genres, was ich persönlich ja immer gerne habe. So haben Einsteiger sofort feste Bilder im Kopf und haben etwas zum „entlanghangeln“. Wie üblich gibt es zwei Ereignisse, die weitere Hinweise geben und den Spielheften konnte ich entnehmen, dass jede Figur auch eigene Ziele verfolgt. Sowas kann sehr viel zusätzliche Spannung, allerdings auch unnötige Ablenkung bringen.

Der Box liegt übrigens auch ein Support Code bei, mit dem man bis zu drei Spielerheftchen herunterladen kann, für den Fall dass jemand das eigene verloren oder vergessen hat. Die Limitierung auf drei finde ich persönlich etwas albern. Was spricht dagegen, einfach alle herunterladbar zu machen?

Ich freu mich auf jeden Fall schon darauf, das Dinner in hoffentlich nicht zu ferner Zukunft mit Freunden zu spielen. Danach kann ich dann auch sagen, inwieweit der Fall auch wirklich unterhaltend und spannend war.

Wieder wat gelernt!

Als jemand, der in den frühern 70ern geboren ist, wurde ich ja ziemlich von Otto Waalkes geprägt. Ich hatte die Schallplatte, kannte die Fernsehauftritte und all das.

Einer meiner All-Time-Favourites war (und ist) „Das Gewitter. Dem geneigten Leser sei es hier einmal nahegelegt:

Was ich heute erst gelernt habe: Das ist ein ganz dreistes Plagiat eine hervorragende Hommage! Tatsächlich scheint das nämlich von Heinz Erhardt zu sein. (Und die „einige von Euch kennen das sicher schon“-Einleitung hatte ich bislang immer nur für so eine Scherzfloskel gehalten…)

So, und jetzt stöber ich weiter nach Heinz Erhardt Videos, der Mann war ja schon immer genial…

Rollenspiel für Nichteingeweihte – Krimidinner

Bestimmt habt Ihr schon von diesen Krimi Dinnern gehört, wo man zum Essen kommt und nebenbei noch einen Kriminalfall vorgespielt bekommt. Sowas gibt es auch zum Selbermachen, und gestern hab ich einen sehr vergnüglichen Abend mit einem Fall von KRIMI total gehabt. Aus naheliegenden Gründen verrate ich jetzt nicht, welcher Fall das war, noch welche Rolle denn der Mörder hatte.

Das Prozedere ist recht narrensicher, und der Hersteller hat eine breite Palette an Szenarios, so dass auch für jeden Geschmack was dabei ist. Das gekaufte Szenario kommt in einer Box, so ungefähr das Format einer VHS-Box. Darin sind die (angenehm kurze) Anleitung, praktische Einladungskarten, ein (versiegeltes) Einführungsheftchen für jede einzelne Rolle sowie nochmal je ein versiegeltes Heftchen pro Rolle mit zusätzlichen Informationen die dann peu a peu während des Abends dazukommen. Dank der Versiegelung bleibt es für wirklich alle Beteiligten spannend.

Die Rollen sind übrigens hervorragend untereinander verknüpft, jeder hat ein bis drei Motive für den Mord, es gibt Animositäten zuhauf und romantische wie finanzielle Verwicklungen. Viel Gelegenheit zum Rollenspiel also…

Der Abend verläuft dann in fünf Runden, am Ende der letzten Runde wird dann abgestimmt, wer als Mörder verhaftet wird. Nach jeder Runde gibt es Zwischenergebnisse aus den Polizeiermittlungen, und vor den meisten Runden erfährt man weitere pikante geheime Details zum Fall oder zu den Mitspielern. Zusätzlich gibt es noch eine Gerüchtekiste, welche die Spieler mit Informationen zweifelhafter Natur über die anderen Rollen versorgt…

Diese stückweise ans Licht kommenden Details sind übrigens Fluch und Segen gleichermaßen: Zum einen sorgen sie natürlich dafür, dass sich die Party nicht totläuft. Wie bei Hercule Poirot kommen neue Informationen zu Tage die den Verdacht woanders hinlenken, der Geschichte eine ganz neue Wendung geben, und so weiter.

Zum anderen ist es natürlich etwas irritierend, wenn man am Anfang (mangels gegenteiliger Informationen) felsenfest von etwas überzeugt ist, nur um dann zu erfahren, dass man in der Vergangenheit mit Person X ein Verhältnis hatte und daher von der Seite kompromittiert werden kann. Als klassischer Rollenspieler ist man sowas nicht mehr gewöhnt. Leute die so Kram wie Player Empowerment und so spielen kennen das natürlich, werden dann aber doch irritiert: Es werden nämlich teilweise vorher gesetzte Fakten wie „Diese Person ist Dir nicht bekannt“ durch „Doch! Du kennst XYZ aus .. hältst das aber geheim weil… !“ ersetzt.

Dennoch, für den Zweck des Krimis ist dieser Idee absolut sinnvoll. Und die überraschenden Wendungen brachten bei uns gestern definitiv Pfiff ins Spiel.

Was allerdings ein wirkliches Manko der (ansonsten übrigens sehr liebevollen) Aufmachung des Spiels ist: Man sucht sich schnell in den paar Seiten Infos tot, wenn man im Verhör gefragt wird, wo man denn zwischen Viertel nach Neun und 22:00 Uhr gewesen sei. Denn diese Angaben verstecken sich im Fließtext, und es gilt den gesamten gedachten Zeitablauf über 5 Stunden im Kopf zu behalten. Da verhaspelt man sich gerne mal. Vielleicht sollte man den Spielern zusätzlich eine leere Zeitleiste an die Hand geben, die sie dann selbst mit Angaben füllen können?

Andererseits: Unter Umständen macht das dann dem echten Mörder das Leben zu schwer. Ich war nämlich genau derjenige welcher, und hatte für die Tatzeit natürlich kein Alibi. Zum Glück fiel das nur unserer Kommissarin auf. Die anderen Mitspieler konnte ich hinreichend verwirren, so dass nach der Abstimmung nicht ich sondern ein anderer Mitspieler als Mörder feststand.

Glück gehabt…