Erwachsenwerden – ein Beitrag zum Rollenspielblogkarneval

Logo_RSPKarneval_500px_VAh, Karsten hat ein Thema zum Karneval der Rollenspielblogs ausgerufen: Romantik & Liebe. Da darf ich natürlich nicht fehlen. Aber wen interessieren schon meine schmutzigen Spieltischerlebnisse, sehen wir uns das Thema also lieber historisch an:

Zumindest meinereiner konnte mit dem Thema zu Beginn meiner Rollenspielkarriere, trotz allem Sturm und Drang der frühen Nachpubertätsphase, nicht wirklich viel anfangen. Natürlich war ich an der ganzen Thematik irre interessiert. Allerdings war das auch noch ganz viel unentdecktes Land, und ich fühlte deutlich mehr Bedarf daran, dieses live und in Person zu erkunden, anstatt nur gedacht im Spiel.

Wenn diese Themen dann doch im Spiel auftauchten, kam es meistens dem Jungmännergehabe in die Quere, und wurde dementsprechend behandelt: Auf Spielwerte heruntergebrochen und dann meist auch noch in die höher-schneller-weiter-Schiene abgeschoben. Denn junge Menschen sind ja ob all dieser Dinge sehr unsicher. Man weiß noch nicht, wie man welche Handlungen und Sätze im sozialen Kontext interpretieren darf oder soll. Und nun soll man auch noch entschlüsseln, welche dieser ohnehin schon undurchdringlichen Sätze im Spiel, und welche mit realen Subtext gesagt wurden.

Dass die Ansage „Ich greife ihn mit meinem Schwert an!“ absolut in das Reich der Fantasie gehört ist klar. Das sagt einem ja die Lebenserfahrung. Aber „Ich küsse sie!“ ist eine Handlung, die ja auch real möglich wäre – und will man sich aus der Deckung wagen? Wie stellt man sicher, was wirklich nur Spiel ist, und was nicht? Nicht umsonst widmet Monsterhearts diesem Thema gleich ein ganzes Spiel.

Anscheinend braucht es eine gewisse Reife um diese Themen so einführen zu können, ohne gleich ein tumbes „einführen… harrharrharr!“ als Reaktion zu provozieren. Irgendwann taucht das Thema also bei jugendlichen Rollenspielern kurz am Rande auf und wird nach einigen Ausfällen dann mit F.A.T.A.L. in einen Topf geworfen und ignoriert.

Erst später darf es dann langsam wiederentdeckt werden: Da flirtet eine Edeldame mit meinem Schurken, mein Ritter muss zwischen seiner Liebe und der Karriere wählen, der Barde verliebt sich in eine Hohepriesterin, und der Auftragskiller erfährt Dinge über seine verlorene große Liebe. Der Großteil davon findet zunächst kaum tatsächlich am Spieltisch statt, sondern dient über die Hintergrundgeschichte als Motivation, macht die Figuren vielschichtiger und interessanter.

Und so wird dann das Rollenspiel mit einem selber erwachsener – dadurch, dass Beziehungen und Liebe ja auch in der eigenen Lebenserfahrung etwas normales geworden sind, eben einfach dazugehören. Und dadurch wird das Anspielen dieser Themen eben auch normaler. Die Vertrautheit mit der Thematik nimmt ihr den Schrecken.

Heute freue ich mich, wenn meine Figuren auch ein Dasein abseits der Kampf- und Reichtumswerte haben. Denn romantische Verwicklungen schaffen Zwänge, Motivationen und zuweilen eben auch Erfolge. Und wer will schon das rollenspielerische Äquivalent zur RomCom oder tragischen Liebesgeschichte von der Bettka- err, vom Spieltisch stoßen?

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