Reichensteuer und Armutsbekämpfung

Kann mir mal jemand erklären, wie mit Hilfe einer höheren Steuer für „die Reichen“ [tm] Armut bekämpft werden soll?

Damit eingesammelte Gelder landen ja nicht direkt in den Taschen „der Armen“ ©, sondern müssen würden nur indirekt verteilt werden.

Im Gegenzug würden wahrscheinlich die berüchtigten Lohnnebenkosten um einen halben Prozentpunkt gesenkt werden, mit sehr viel Glück gibt es noch ein paar mehr Kita‐Plätze, oder sogar einige besser ausgestattete Schulen. Potentiell löbliche Ansätze, allerdings frage ich mich eines: Sind diese Ansätze (bis auf die Schulen & Kitas) das nicht nur die Symptome bekämpft anstatt tatsächlich etwas langfristig zu bewirken.

Ich persönlich bin ja mehr und mehr davon überzeugt, dass das Problem „in arm und reich gespaltene Gesellschaft“ eher in den wirklich großen, den börsennotierten Betrieben zu suchen ist. Wenn weite Teile der Wirtschaft vom Prinzip des „Shareholder Value“, und nicht vom vielzitierten „unternehmerischen Denken“ gesteuert werden gibt es kaum langfristig ausgelegte Wertschöpfungsprozesse. Und ohne diese gibt es eben auch keine Rücksicht auf die Mitarbeiter.

Denn wer als Entscheider in seiner Stellenbeschreibung die Zielvorgabe „Gewinnmaximierung für die Anteilseigner“ vorfindet hat keine andere Wahl. Er darf sich zwar um das finanzielle und langfristige Wohlbefinden der ihm unterstellten Angestellten sorgen. Aber er macht sich schuldig, je nach Fall sogar konkret schadensersatzpflichtig, wenn er den ausgeschütteten Gewinn zugunsten der Angestellten oder ihrer Arbeitsplätze schmälert. Das ist den Managern nicht einmal sonderlich vorzuwerfen.

Jedes Regierungshandeln, dass diese Verhältnisse ignoriert wird meiner bescheidenen Ansicht nach das Problem der Schere in unserer Gesellschaft nicht lösen. Eine Reichensteuer schon einmal gar nicht, die hat dann nämlich den oft prophezeiten Effekt der Steuerflucht in andere Länder.

Wie wäre es stattdessen mit einer eher speziellen Steuer auf ausgeschüttete Dividenden und Managergehälter? Und zwar eine, deren Höhe sich daraus errechnet, wie langfristig das durchschnittliche Arbeitsverhältnis in dem Betrieb ist (je länger, desto kleiner die Steuer), wie viele Zeitarbeiter eingesetzt werden (je mehr, desto höher die Steuer) und wie gering und wie häufig die kleinsten ausgezahlten Löhne sind (je mehr schlecht bezahlte Angestellte vorhanden, desto höher die Steuer).

Damit gäbe es eine klare, positive Korrelation zwischen „humanes Benehmen“ einer Firma und den an die Manager und Anteilseigner tatsächlich ausgeschütteten Gewinne. Wer sich mies verhält zahlt soviel Steuern dass er kaum noch etwas von seinem miesen Verhalten hat. Wer sich sozial verträglich verhält wird unter Umständen sogar mit Steuerfreiheit belohnt.

Wird das Regelwerk sinnvoll gestaltet kann sich diese Steuerfreiheit sogar für den Staat lohnen: Langfristig angestellte Mitarbeiter die vernünftig ausgearbeitete Sozialleistungen vom Arbeitgeber bekommen haben fallen dem Staat nicht zur Last, haben Kaufkraft, beleben andere Branchen, etc. pp.

Welcher Wirtschaftswissenschaftler hilft mir, das auszuarbeiten und an Herrn Steinbrück zu schicken?

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