Rollenspiel für Nichteingeweihte — Krimidinner

Bestimmt habt Ihr schon von diesen Krimi Dinnern gehört, wo man zum Essen kommt und nebenbei noch einen Kriminalfall vorgespielt bekommt. Sowas gibt es auch zum Selbermachen, und gestern hab ich einen sehr vergnüglichen Abend mit einem Fall von KRIMI total gehabt. Aus naheliegenden Gründen verrate ich jetzt nicht, welcher Fall das war, noch welche Rolle denn der Mörder hatte.

Das Prozedere ist recht narrensicher, und der Hersteller hat eine breite Palette an Szenarios, so dass auch für jeden Geschmack was dabei ist. Das gekaufte Szenario kommt in einer Box, so ungefähr das Format einer VHS‐Box. Darin sind die (angenehm kurze) Anleitung, praktische Einladungskarten, ein (versiegeltes) Einführungsheftchen für jede einzelne Rolle sowie nochmal je ein versiegeltes Heftchen pro Rolle mit zusätzlichen Informationen die dann peu a peu während des Abends dazukommen. Dank der Versiegelung bleibt es für wirklich alle Beteiligten spannend.

Die Rollen sind übrigens hervorragend untereinander verknüpft, jeder hat ein bis drei Motive für den Mord, es gibt Animositäten zuhauf und romantische wie finanzielle Verwicklungen. Viel Gelegenheit zum Rollenspiel also…

Der Abend verläuft dann in fünf Runden, am Ende der letzten Runde wird dann abgestimmt, wer als Mörder verhaftet wird. Nach jeder Runde gibt es Zwischenergebnisse aus den Polizeiermittlungen, und vor den meisten Runden erfährt man weitere pikante geheime Details zum Fall oder zu den Mitspielern. Zusätzlich gibt es noch eine Gerüchtekiste, welche die Spieler mit Informationen zweifelhafter Natur über die anderen Rollen versorgt…

Diese stückweise ans Licht kommenden Details sind übrigens Fluch und Segen gleichermaßen: Zum einen sorgen sie natürlich dafür, dass sich die Party nicht totläuft. Wie bei Hercule Poirot kommen neue Informationen zu Tage die den Verdacht woanders hinlenken, der Geschichte eine ganz neue Wendung geben, und so weiter.

Zum anderen ist es natürlich etwas irritierend, wenn man am Anfang (mangels gegenteiliger Informationen) felsenfest von etwas überzeugt ist, nur um dann zu erfahren, dass man in der Vergangenheit mit Person X ein Verhältnis hatte und daher von der Seite kompromittiert werden kann. Als klassischer Rollenspieler ist man sowas nicht mehr gewöhnt. Leute die so Kram wie Player Empowerment und so spielen kennen das natürlich, werden dann aber doch irritiert: Es werden nämlich teilweise vorher gesetzte Fakten wie „Diese Person ist Dir nicht bekannt“ durch „Doch! Du kennst XYZ aus .. hältst das aber geheim weil… !“ ersetzt.

Dennoch, für den Zweck des Krimis ist dieser Idee absolut sinnvoll. Und die überraschenden Wendungen brachten bei uns gestern definitiv Pfiff ins Spiel.

Was allerdings ein wirkliches Manko der (ansonsten übrigens sehr liebevollen) Aufmachung des Spiels ist: Man sucht sich schnell in den paar Seiten Infos tot, wenn man im Verhör gefragt wird, wo man denn zwischen Viertel nach Neun und 22:00 Uhr gewesen sei. Denn diese Angaben verstecken sich im Fließtext, und es gilt den gesamten gedachten Zeitablauf über 5 Stunden im Kopf zu behalten. Da verhaspelt man sich gerne mal. Vielleicht sollte man den Spielern zusätzlich eine leere Zeitleiste an die Hand geben, die sie dann selbst mit Angaben füllen können?

Andererseits: Unter Umständen macht das dann dem echten Mörder das Leben zu schwer. Ich war nämlich genau derjenige welcher, und hatte für die Tatzeit natürlich kein Alibi. Zum Glück fiel das nur unserer Kommissarin auf. Die anderen Mitspieler konnte ich hinreichend verwirren, so dass nach der Abstimmung nicht ich sondern ein anderer Mitspieler als Mörder feststand.

Glück gehabt…

6 Gedanken zu „Rollenspiel für Nichteingeweihte — Krimidinner

  1. Das wollte ich ja gerade nicht öffentlich spoilern, nachdem ich schon gesagt hatte, dass ich der Mörder war! :) Soviel sei verraten: Das Setting ist moderner als Piraten.

  2. Also wir haben an Silvester „Schatten über Landsitz Hagenberg“ von Culinario Mortale gespielt… das fand ich etwas übersichtlicher von den Infos, da die an den Seitenrändern so ne Spalte mit allen wichtigen Infos als Übersicht hatten.

  3. Du sprichst hier einen Fakt an, der mich bei den Spielen auch oft stört: die genauen Informationen werden minuziös gegeben, doch meistens wird einem während des Spiels seitens der anderen Spieler nicht genügend Zeit gelassen, alle Informationen auch „aufzusaugen“. Resultat ist, dass man immer wieder blättern und nachlesen muss. Das muss der Mörder meistens nicht, womit langes Blättern für mich meist ein Zeichen dafür ist, das derjenige nicht der Mörder ist…

    Clevere Mörder nutzen dies natürlich aus.

    Aber ich finde deine Idee mit der Zeitleiste eigentlich ganz gut. Die Spiele von Culinario Mortale wirken dem entgegen, in dem Sie am Ende noch mal eine kurze Zusammenfassung geben — aber auch hier sucht man immer wieder im Fließtext nach Informationen…

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