Gefahren der sozialen Netzwerke

Hanno weist Isotopp darauf hin, dass man ja noch gar nicht absehen könne, welche Gefahren diese Datensammlungen bergen. Isotopp antwortet, dass er bislang keinerlei messbare Gefährdung oder gar Nachteile ausmachen könne, dafür aber jede Menge Vorteile. Und dass die Gefahren auszumerzen in ein Bürokratiemonster ausarten würde.

Wie so häufig, wenn sich nicht-depperte Menschen unterhalten, haben beide Recht. Hanno schaut sich die Gesamtgefährdung an. Da sind Daten, die sind irgendwo gespeichert, und irgendwann könnten sie mal gefährlich werden. Isotopp schaut sich die verarbeitende Stelle an. Die tun offensichtlich gerade gar nix böses mit den Daten, und wenn doch, (das schreibt er aber nicht explizit) dann kann man denen auf die Finger hauen.

Und hier ist das Kommunikationsproblem: Hanno schaut sich alle Stellen an, und unterstellt, dass diese im Zweifel gemeinsam bösartig agieren. Das tun sie aber im seltensten Falle. Und wenn wir unseren Staat (der ja die regulierende Stelle ist) beipulen, Datenschutz für seine eigenen Tätigkeiten ernst zu nehmen, dann können wir mehr oder weniger beruhigt den nicht-staatlichen Akteuren hin und wieder Datenbrocken überlassen, da wir im Zweifel mit dem Staat als Hebel diese Akteure in den Griff kriegen können.

Und das ist die Quintessenz: Die deutschen Datenschützer und Aluhüte kämpfen gegen den falschen Feind. Facebook, Google und Co. sollten uns nicht egal sein, aber das ist im Endeffekt ein Nebenschauplatz. Wir müssen dafür sorgen, dass der Staat unsere Interessen wahrnimmt, und gar nicht erst versuchen will, Daten gegen uns zu verwenden.

Was macht eigentlich den Wert von Dingen aus?

Bei materiellen Dingen wie Autos, Häusern und Bananen ist das ja noch einzuschätzen. Da gibt es zwar immer noch Spannbreiten, die durch Marke, Lage oder Knappheit geformt werden, aber man kann nachschauen, was das Zeug in der Herstellung gekostet hat, und wieviel Geld es kostet, eine Banane aus Brasilien in meinen Supermarkt um die Ecke zu liefern.

Aber was ist mit dem Wert eines Buches? Oder eines Kunstwerkes? Klar, es gibt die Arbeitszeit, die der Autor oder der Künstler hineingesteckt hat, aber die hat im seltensten Fall etwas mit dem „Wert“ des Buches zu tun. Bestsellerautoren wie Hemingway steckten in der Regel ähnlich viel Zeit in ihre Bücher wie unbekannte Schundschreiber. Und deren Bücher kosten im Handel spätestens als Taschenbuch auch ähnlich viel. Dennoch wird dem ein Hemingway Roman als „wertvoller“ angesehen. (Und wahrscheinlich zu Recht. Ich oute mich hier mal, dennoch noch nie einen Roman von Hemingway gelesen zu haben. Hätte es „Der alte Mann und das Raumschiff“ gehießen, sähe das wohl anders aus. Aber ich schweife ab..)

Von Michael Moorcock habe ich gelesen, dass er seine Bücher angeblich wiederum häufig innerhalb weniger Tage „runterschrieb“ — und dennoch recht großzügige Schecks dafür erhalten hat. Und wieder: Seine Bücher stehen im Buchhandel mit dem gleichen Preisschild wie die von Hemingway.

Der Wert von künstlerischer Arbeit hängt also nur marginal davon ab, was der Endverbraucher für sie bezahlt.

Und das führt mich zum Punkt den ich machen will: In der Diskussion um Filesharing, Urheberrecht, etcpp. höre ich immer wieder folgenden Satz: „Wenn alles kostenlos gemacht wird, hat das Werk doch gar keinen Wert mehr!“

Ich verstehe diesen Satz nicht. So überhaupt nicht. Der Wert eines Musikstückes oder eines Buches ergibt sich doch nicht aus der Anzahl Geldeinheiten, die darüber erzielt werden. Natürlich sind diese nicht unwichtig, Applaus ist zwar die Nahrung des Künstlers, aber das Dach über den Kopf bezahlt er oder sie immer noch mit harter Währung. Insofern ist es natürlich wichtig und richtig, dass wir bereit sind und bleiben Künstler zu bezahlen.

Aber zu behaupten, dass Kunst nichts wert sei, es sei denn dass für sie von vornherein ein Preis X verlangt wird, dass ich sie ohne diesen Preis nicht zu Gesicht bekomme, das halte ich doch für arg abstrus.

Ich postuliere, dass der Wert eines Werkes sich eher daraus ableitet, wie viele Leute es beeinflusst. Bislang wurde dieser Wert eben indirekt aus den Kopieverkäufen errechnet und monetarisiert. Das funktionierte, weil Kopienerstellung vergleichsweise aufwändig war. Die meisten Leute haben also lieber gekauft als selbst kopiert. Nicht, weil ihnen das Urheberverwertungsrecht wichtig war, oder weil sie ein grundlegendes Bewusstsein für die finanzielle Not des Autoren hatten, sondern weil es die einfachste Möglichkeit war.

Heute ist es aber nicht mehr die einfachste Möglichkeit. Leider haben sich aber die meisten „Schaffenden“ daran gewöhnt, den Wert ihrer Werke anhand der Verkaufszahlen abzulesen, anstatt an Downloads und Bekanntheitsgrad. Zudem fehlen eben noch weitverbreitete und leicht verständliche Mechanismen Downloads und Bekanntheitsgrade verlässlich in Geld umzuwandeln. Sobald sich solche Mechanismen etabliert haben, wird sich hoffentlich die momentane Raubkopierer-vs-Urheberrechtsdebatte erübrigen.

#Urheberrecht #toblog #Piratenpartei

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Leute gibt’s, die gibt’s nicht…

Eine Diskussion auf der HHer Piratenmailingliste ließ mich mal wieder zur strategischen Popcorn-Reserve greifen. Da kommt einer daher, und fragt, wie man denn ein Projekt in Gang setzen würde. Ob man dafür eine AG gründen müsse, wie man Leute mit einbezieht und so weiter.

Man verweist den augenscheinlich hoffnungsvollen Neuling auf die zahlreichen Möglichkeiten wie Stammtisch, die Mailingliste, das Wiki und all das und fragt natürlich auch nach, was das denn für ein Projekt sei.

Das ginge nicht, weil das doch sehr umfangreich und kompliziert sei, und daher nur schwer schriftlich zu erklären. Und außerdem hätte er gerne die Garantie, dass sein Name quasi auf Ewig als Initiator dieses (anscheinend sehr epischen) Projektes in Erinnerung bliebe. Also, dass irgendwie sichergestellt würde, dass man stets das Projekt und ihn in einem Atemzug nennen würde. Auch der dezente Hinweis, wie toll das für die Herren Hartz und Riester funktioniert hätte ließ ihn nicht davon abbringen.

Das Ganze scheint derzeit übrigens damit zu enden, dass aufgrund der fehlenden Bereitschaft solche Garantien abzugeben, die Piraten eben doch ehrloses Gesindel seien, da ja anscheinend jede tolle Idee hier einfach „geguttenbergt“ wird. Es gehe ihm eben wirklich sowohl darum, das Projekt umzusetzen, als auch sich selbst zu profilieren. Die Partei in der das dann stattfindet sei ihm dann auch eigentlich egal.

Way to make friends!

Musterflächenplan für Schulen in Hamburg

Der ist mir gerade zugespielt worden. Viel bürokratisches Foo in dem ausgerechnet wird, wie viel Platz so eine Schule eigentlich braucht. Also, in Quadratmetern pro Schüler. Im Grunde ganz ordentliche Arbeit und sicherlich hilfreich um Schulgrößen zu planen.

Was mir allerdings aufstößt ist das hier:

Bei der Ausstattung und Flächenplanung ist zu berücksichtigen, dass die neuen naturwissenschaftlichen Rahmenpläne ausdrücklich einen höheren Anteil experimenteller Schülerarbeit vorsehen. Der damit an sich notwendige größere Flächenanteil für naturwissenschaftliche Räume kann jedoch kompensiert werden:

a) durch das Ersetzen eines Teils dieser Experimente durch moderne interaktive Computersimulationen und

b) durch die Nutzung der Allgemeinen Unterrichtsräume für einen Teil des naturwissenschaftlichen Unterrichts wie die theoretische Vor- und Nachbereitung von Experimenten und deren Simulation am Computer. Somit würde sich die Anzahl flexibel von der Schule einsetzbarer Module erhöhen und zugleich die Einrichtung zusätzlicher teurer und nur begrenzt nutzbarer Fachräume auf das notwendige Minimum beschränken.

c) Entlastung bringt der Ganztagsschulbetrieb. Naturwissenschaftliche Räume können in der Regel zu 80 % eines Schultages tatsächlich belegt werden. Es wird daher von einer durchschnittlichen Belegung von mindestens 30 Wochenstunden ausgegangen.

So wird es trotz vermehrten Einsatzes von Experimenten im naturwissenschaftlichen Unterricht keine größeren Flächen in diesem Bereich geben müssen.

Klartext: Die Schüler sollen mehr Computer in der Schule nutzen (yay!), mehr Experimente in den Naturwisschenschaften gezeigt bekommen (yay!!), letztere sollen aber immer mehr als Computersimulation laufen, damit man Geld spart.

Wie meinen?

Ich bin ja vollkommen für Computernutzung. Aber naturwissenschaftliche Experimente sollten meiner Ansicht nach so weit wie irgendwie möglich direkt am Objekt durchgeführt werden. Schon damit man mal Gewichte in die Hand nehmen kann, und ein Gefühl für die Dinge entwickeln kann.