Peter Rath – das Autorenportrait

Ich brauche ja einen neuen Charakter für Karstens Dresden Files Runde. Das High Concept ist „Autor, der von seinen Fans lebt“ – mal schauen, was im Spiel draus wird :)

Peter Rath ist zwar kein Superstar in der Literaturszene, aber innerhalb seiner Nische des “Urban Fantasy”-Genres ist er der meistgelesene deutsche Autor. Seine Buchreihe “Chronicles of Hirt”, in der die übernatürlichen Abenteuer des “Killers mit Herz und Schnauze” Jan Hirt beschrieben werden haben ihm eine treue Fangemeinde beschert.

Grund genug, um dem charismatischen Autor ein ausgiebigeres Portrait zu widmen.

Wir treffen Rath in einem Straßencafé im Herzen Hamburgs. Das Umschlagbild wird dem großen schlanken Mann mit den lachenden Augen nur schwer gerecht – allerdings wird im Klappentext jedes seiner Bücher behauptet, dass er das “Kind einer Hexe und eines Vampirs” sei, das “während seiner Studienzeit als Model, Übersetzer und Synchronsprecher für Pornofilme” gejobbt hätte. Nun, gerade in dem von ihm gewählten Genre sind Biographien selten bodenständig authentisch, und so sind wir auch nicht enttäuscht als uns der “Vampir” allen Klischees zum Trotz einen Tisch auf der Sonnenterrasse des Cafés aussucht.

Herr Rath,

Nennen Sie mich ruhig Peter.

Peter Rath lächelt entwaffnend und streicht sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. Zumindest den “Model” Eintrag aus seiner Biographie möchte man in solchen Momenten glauben.

Gut, Peter, die “Chronicles of Hirt” sind im Genre der deutschen Urban Fantasy der Bestseller – warum gibst Du jetzt die so beliebte Hauptfigur auf?

Wie meinte meine Tante immer so schön? “Ein Gentleman hört auf, bevor nichts mehr übrig ist”. Ich wollte die Figur Jan Hirts nicht literarisch totreiten, sondern lieber einen Schnitt machen, bevor es unschön wird.

Wirst Du Dich jetzt einem anderen Genre widmen?

Das weiss ich noch nicht. Die Jan-Hirt-Bücher schrieben sich fast wie von selbst – manchmal war mir so, als ob ich nur aufschreiben musste, was eh schon passiert ist. Schauen wir einfach mal, vielleicht erleben die bisherigen Nebenfiguren jetzt eigene Abenteuer?

“aufschreiben, was eh schon passiert ist” – das ist ein gutes Stichwort. Die Bücher reflektieren häufig aktuelle Ereignisse, und erschienen bislang fast immer sehr kurz nach ihrem Eintreten. Wie machst Du das?

Peter lacht.

Ach, das ist einfach: Ich schreibe unglaublich schnell!

Er tippt mit den Fingern auf einer imaginären Tastatur, und tatsächlich scheinen sie förmlich in der Luft zu verschwimmen, so schnell bewegen sie sich.

Nein, im Ernst: Die Nachrichten inspirieren mich, gerade so unglaubliche Ereignisse wie das Erdbeben und anschließende Versinken von Sylt –

– das Du in “Standing inside the Fire” dadurch erklärt hast, dass ein Drache unter Sylt erwacht sei –

– genau. Also, solche Ergeignisse sind viel zu faszinierend, als dass ich sie einfach ignorieren könnte. Ursprünglich sollte der Drache ja in einem Berg leben, aber das fand ich dann doch viel spannender. Im Endeffekt konnte ich so auch einen schönen Bogen zum ersten Hirt-Buch “Standing outside the Fire” schlagen, wo Jan erstmals auf das Team um Frau Maske traf.

Die beiden “Fire”-Bücher und der dritte Band der Chroniken “Toymaker” sind ja leider gar nicht mehr zu haben. Neue Fans beginnen die Sage heute ja erst mit “Edinburgh Blues”. Wieso ist das so?

Peters sonst so sonnige Miene verdüstert sich einen Moment.

Ah, das ist ein wunder Punkt. Die ersten vier Bücher erschienen in einem mittlerweile insolventen Verlag. Leider sind die exklusiven Veröffentlichungsrechte dann in die Konkursmasse geflossen – und der neue Eigner, die Syltvanas Firmengruppe scheint nicht gewillt zu sein, sie zu veröffentlichen. Es schmerzt natürlich, aber was will man machen? Natürlich habe ich mit einem Vertreter der Firmengruppe gesprochen, aber bislang haben wir uns nicht einigen können. Und ganz ehrlich – so sehr es schmerzt, ich verbringe lieber Zeit mit meiner Familie und mit meinen Fans.

Du bist also ein Familienmensch?

Soweit es mir neben der Arbeit, dem Schreiben und den regelmäßigen Promotionsreisen, möglich ist. Meine Tochter und mein Lebensgefährte sind mein ein und alles. Auch wenn mir die Kleine langsam über den Kopf wächst.

Er lacht, und zeigt kurz das Bild eines entzückenden Teenagermädchens.

Sie kommt allmählich in das Alter, wo sie lieber andere Jungs als ihre beiden Väter sehen will. Natürlich sind wir da kritisch, aber man soll den Kindern ja auch ihre Freiheiten lassen.

Zu der Familie meines Vaters habe ich hingegen kaum noch Kontakt: Ich bin zwar bei meiner Tante aufgewachsen, aber es gab da einige.. Differenzen, nicht zuletzt durch die Wahl meines Studienfaches.

Du bist Historiker.

Ja. Meiner Tante wäre es sicher lieber gewesen, wenn ich Betriebswirtschaft, oder zumindest Jura studiert hätte. Die Familie besitzt diverse kleine und mittelständische Betriebe hier in Hamburg und Berlin. Aber meine Interessen lagen schlicht anders. Leider führte das letztendlich zu einem Bruch. Kein Streit, aber, naja, ein Auseinanderleben.

Aber zurück zu Deinem Büchern: Du bist ein deutscher Autor, schreibst Deine Bücher auch in deutscher Sprache – dennoch tragen sowohl die Reihe, und auch alle Bücher einen englischen Titel.

Ursprünglich hatte ich ja gar nicht geplant, überhaupt etwas zu veröffentlichen. Das erste Hirt Buch entstand im Rahmen von Recherchen zur Historie von Sylt, und die verkannte Rolle der Insel in der Artus-Sage.

Als das Buch dann fertig war, meinte mein Mann, dass es schade sei, dass ich nicht auf englisch schreibe. “Chronicles of Hirt” wäre doch ein viel zu schönes Wortspiel. Ihm zuliebe habe ich es dann einfach beibehalten, und irgendwie kamen dann so auch die restlichen englischen Titel zustande.

Wann können wir denn mit dem nächsten Buch rechnen?

Ach, da muss mich erst die Inspiration treffen. Zunächst steht erst einmal eine längere Rundreise durch Deutschlands Buchläden an, die Promotionstour für “Dead Man Walking”, danach schauen wir einfach mal weiter.

Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr. Herr Rath, vielen Dank für das Gespräch.

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