Steffen Wildkind

…ist ein militanter Naturschützer. Ja auch sowas gibts in einer Fantasy-Welt… (hats auch nie zum Charakterbogen geschafft)

Gebetsstunde. Der Abt rief die Mönche mit seiner Glocke in die Andachtshütte. Die 30 Männer des Klosters beendeten ihre Gartenarbeit und gingen in das kleine Haus, das extra für die Andacht erbaut worden ist. Es war das einzige Gebäude dieses Klosters, hatten die Anhänger Constaints doch geschworen alles natürliche beizubehalten.

Das Kloster lag abgeschieden von den meisten Dörfern hier im Umkreis. Kaum jemand wußte überhaupt davon. Und selbst wenn jemand hier vorbeikäme, er würde kaum das Kloster als solches bemerken. Die Andachtshütte selber war ein langgestreckter Graben, der mit Zweigen abgedeckt wurde. Halbkreisförmig angelegt, erlaubte er jedem der Mönche einen freien Blick auf den Altar.

Der Abt begann die Gebete mit fester Stimme zu singen. Der Reihe nach stimmte jeder Bruder mit in den Gesang ein, bis die ganze Lichtung von ihren Stimmen erfüllt war. Sollte jemand zufällig vorbeikommen, so würde dieser das Heulen von Wölfen vernehmen. Und das Brummen von Bären, aber auch den Gesang von verschiedenen Vögeln. Denn die Anhänger des Constaint-Kultes haben beim Eintritt in das Kloster ihrer menschlichen Stimmen abgeschworen.

Das Gebet ging so über eine Stunde weiter, bis die Männer plötzlich durch lautes Schreien jäh unterbrochen wurden. Die Mönche schauten einander an, und verließen dann die Andachtshütte. Das Schreien kam aus dem Wald, es schien nicht aufzuhören. Zwei der Mönche wurden los geschickt, um die Quelle des Schreiens zu finden, und wenn möglich zu helfen.

Bruder Wolfspelz ging voran. Er war nun schon seit zwanzig Jahren in diesem Wald, aber so etwas hatte er noch nie gehört. Es kam hin und wieder vor, daß ein Wanderer von Wölfen angegriffen wurde, aber meistens wurde er innerhalb von wenigen Minuten von den Wölfen überwältigt, und es wurde wieder still im Wald. Wer oder was aber auch immer diesmal um sein Leben schrie, er schrie nun schon seit fast einer halben Stunde.

[Wenigstens weist er uns damit den Weg.] bedeutete Wolfspelz seinem Bruder in der Zeichensprache, derer sich die Mönche im Wald bedienten. Bruder Flinkflügel nickte nachdenklich. Er war noch nicht ganz so lange im Kloster. Er kam mit einer seltsamen Metallrüstung an, und wurde dann ebenfalls ein Anhänger Constaints. Über seine Vergangenheit ließ er sich nie aus, aber es fragte ihn eigentlich auch nie jemand. [Irgendwie kommt mir diese Art Schreie bekannt vor] gab er zu verstehen. [Ich habe das schon einmal gehört]

Nun kamen die beiden endlich in die Nähe. Das Schreien hatte inzwischen aufgehört, aber die Mönche wußten nun die Richtung, und standen nun auf einer kleineren Lichtung. Ein gesatteltes Pferd stand dort, an einen Baum gebunden, und auf dem Moos lag, bewußtlos eine Frau, in ihrem Arm ein neugeborenes Kind.

Wolfspelz wies Flinkflügel an, sich um die Frau und ihr Kind zu kümmern, er selber wollte erst einmal dafür sorgen, daß das Pferd in Freiheit kam. Er nahm ihm Sattel und Zaumzeug ab, und jagte es mit einem Klaps in den Wald. Es würde schon einen Weg finden, um zu überleben, und wenn nicht… dann hätten Die Wölfe wenigstens einen Schmaus.

Unterdessen hatte Flinkflügel die Nabelschnur durchtrennt, und den Neugeborenen in einen der Schals der Mutter gewickelt. Als nächstes versuchte er die Mutter zu Bewußtsein zu bringen, aber vergebens. [Sie ist tot.] zeigte er traurig seinem Begleiter. [Dieses Kind hat großes Glück, daß überhaupt jemand in der Nähe war, sonst wäre es auch gestorben. Bringen wir ihn zum Kloster, der Abt wird entscheiden, was wir mit ihm machen.]

Der Abt entschied, daß der kleine Junge vorerst bei den Mönchen bleiben würde. Keiner der Mönche sollte sein Gelübde brechen, und in ein Dorf gehen. Der Neugeborene wurde Steffen Wildkind getauft, und von den Männern des Klosters als Geschenk des Constaints angenommen.

Besonders Bruder Flinkflügel liebte den Kleinen. Er war es, der sich meistens um Wildkind kümmerte, und ihn versorgte. Als Wildkind seinen ersten Winter hinter sich hatte, bat Flinkflügel den Abt um ein Gespräch.

[Der Kleine muß sprechen lernen.] bedeutete Flinkflügel seinem Obersten. [Aber wenn wir stumm bleiben, wird er nie wissen, wie es ist zu sprechen.] Der Abt nickte. [Du hast recht Bruder Flinkflügel. Es wird am besten sein, wenn einer von uns aufbricht, und unser Wildkind zu einen von den Dörfern bringt Dort wird er alles lernen.]

Flinkflügel schüttelte den Kopf. [Nein, ich selber will ihm alles beibringen. Ich mag den Kleinen.] Er machte eine entschlossene Geste. [Eulenruf, ich bitte Dich, mich für die Erziehung von Wildkind von meinem Schweigegelübde zu entbinden!]

Eulenruf konnte Flinkflügel verstehen. Alle Brüder des Klosters hatten den Jungen liebgewonnen, und keiner würde ihn gerne hergeben. Und Flinkflügel hatte recht, Wildkind mußte einfach die Sprache der Menschen lernen, das ließ sich nicht verleugnen.

[Gut] nickte Eulenruf. [Du sollst für die Erziehung von Steffen Wildkind von Deinem Gelübde entbunden sein. Constaint, der alle Wesen liebt, wird es gutheißen.]

Von nun an ging Flinkflügel jeden Tag für mehrere Stunden mit Wildkind in den Wald, um mit ihm zu sprechen. Anfangs fiel ihm das selber schwer, hatte er doch seit Jahren kein Wort mehr gesagt. Aber mit der Zeit wurde er sicherer, und bald sagte auch Wildkind seine ersten Worte. Und gleichzeitig brachte Flinkflügel ihm die Zeichensprache der Mönche bei, und daß er diese nur in der Zeichensprache ansprechen dürfe.

Steffen Wildkind blieb 12 Jahre lang bei den Mönchen Constaints. Flinkflügel brachte ihm bei, wie er sich leise wie die Tiere bewegen konnte, er zeigte ihm die Schönheit des Waldes, und die Kunst, sich von ihm zu nähren. Dabei brachte er ihm aber auch die Sprache der Menschen bei, ihre Gepflogenheiten und ihre Geschichte. Flinkflügel erklärte ihm, daß die Menschen teilweise sehr seltsam seien, und schlimme Dinge tun würden. „Aber trotzdem“, so pflegte er seinem Schützling zu erzählen, „sind sie die, zu denen Du eines Tages hingehen mußt. Wir sind einfach nur Männer, die der Welt den Rücken gekehrt haben, weil sie nicht mit ihr zurechtkamen. Du aber, Steffen Wildkind, mußt die Welt noch kennenlernen, bevor Du ihr den Rücken kehren kannst.“ Aber weder Wildkind noch Flinkflügel hatten es eilig, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem Wildkind das Kloster verlassen würde. Bis Flinkflügel starb.

Flinkflügel war alleine im Wald unterwegs um Winterpilze zu suchen. Dabei rutschte er auf einer vereisten Wurzel aus und brach sich das Rückgrat. Unfähig sich zu bewegen, oder um Hilfe zu rufen, erfror Flinkflügel, und wurde von Constaint geholt. Alle Mönche trauerten um Flinkflügel, und mit ihnen trauerte auch Wildkind.

Zwei Wochen später bedeutete der Abt Wildkind ihm zu folgen. Er führte den Jungen ein wenig in den Wald hinein, und setzte sich dann auf einen Baumstumpf. [Wildkind, die Zeit ist jetzt gekommen.] Eulenruf seufzte. [Du bist jetzt alt genug, um zu den Menschen zu gehen.] Wildkind war klar, was dieser Satz bedeutete. Flinkflügel hatte es ihm ja oft genug gesagt. [Ich werde morgen aufbrechen Abt Eulenruf.] nickte Wildkind.

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