Ich als Kandidat für den LV-HH Vorstandsvorsitz

Vor­stands­vor­sit­zen­der — was will ich da eigentlich?

Zuerst ein­mal bin ich ganz ehr­lich: Für ver­wal­tende Tätig­kei­ten, wirk­lich wöchent­li­che Stamm­tisch­be­su­che und ähn­li­che Dinge werde ich nicht viel Zeit haben. Ich arbeite Voll­zeit, bin in der Regel beruf­lich immer wie­der mal in ande­ren Städ­ten und habe dann auch noch den Anspruch an mich selbst wenigs­tens hin und wie­der Frei­zeit mit Freun­den & Fami­lie zu verbringen.

Auf der ande­ren Seite sehe ich spe­zi­ell den Vor­stands­vor­sitz hier aber auch nur bedingt in der Pflicht — und die Auf­ga­ben, die ich sehe, kön­nen von einem guten Kom­mu­ni­ka­tor den­noch gut wahr­ge­nom­men werden.

Nach mei­nem Ver­ständ­nis ist es näm­lich pri­märe Auf­gabe eines Par­tei­vor­stands­vor­sit­zen­den im Landesverband

  • die poli­ti­sche Aus­rich­tung zu ver­kör­pern und voranzutreiben
  • den Lan­des­ver­band geschäft­lich nach aus­sen zu vertreten
  • die Kom­mu­ni­ka­tion mit ande­ren Lan­des­ver­bän­den und dem Bun­des­vor­stand aufrechtzuerhalten.
  • Die Dis­kus­sio­nen inner­halb der Par­tei wenn erfor­der­lich zu moderieren

Gerade der erste Punkt ist etwas, was ich als recht wich­tig erachte. Der Pira­ten­par­tei wird (häu­fig zurecht) ein feh­len­des Pro­fil vor­ge­wor­fen. An den teil­weise doch sehr erhitz­ten Dis­kus­sio­nen merkt man ja, dass wir teil­weise sehr unter­schied­li­chen Idea­len nach­ge­hen. Das ist nicht grund­sätz­lich schlecht, ver­hin­dert aber häu­fig den Konsens.

Inso­fern denke ich, dass die Wahl des Vor­stands­vor­sit­zes eben nicht nur die Wahl eines Dienst­leis­ters ist, son­dern eben auch ein Bekennt­nis zu einer grund­sätz­li­chen poli­ti­schen Aus­rich­tung. Man wählt nicht jeman­den in die­ses Amt, wenn man nicht auch mit den Aus­sa­gen die­ser Per­son zu den poli­ti­schen Kern­the­men ein­ver­stan­den ist.

Gleich­zei­tig ist diese Wahl dann aber auch ein Signal an die ande­ren Par­tei­mit­glie­der, dass sich die Mehr­heit auf eben diese spe­zi­elle Aus­rich­tung der Poli­tik geei­nigt hat.

Auf­ga­ben­tei­lung

Und genau aus die­sem Grund ist eine Auf­ga­ben­tei­lung des Vor­stan­des so wich­tig: Es reicht eben nicht, die beste Gal­li­ons­fi­gur, den bes­ten Mode­ra­tor, die beste Schatz­meis­te­rin oder den bes­ten „Dienst­leis­ter für die Basis“ zu wäh­len — alle diese Funk­tio­nen sind immens wich­tig für eine funk­tio­nie­rende Par­tei, sie kön­nen aber im sel­tens­ten Fall in Per­so­nal­union durch­ge­führt werden.

Wie diese Funk­tio­nen genau ver­teilt wer­den, muss das Vor­stands­team nach der Wahl klä­ren — dann aber ver­bind­lich. Daß ein Vor­stands­amt Arbeit ist, und sicher­lich mehr als man zunächst erwar­tet ist dabei klar. Und trotz­des­sen dass ich ein­gangs von einem gerin­gen Zeit­bud­get sprach, kann ich über die Woche ver­teilt sicher­lich einen bis zwei Arbeits­tage für die Pira­ten­par­tei auf­wen­den — und da sind Tele­fo­nate und Anwe­sen­heit in #piraten-hamburg oder Emai­l­a­brufe nicht enthalten. :)

Trans­pa­renz und Vorstandsarbeit

Wohl kaum ein The­men­kom­plex ist so bedeu­tend für uns wie die­ser. Und die Ansätze mit ihm umzu­ge­hen rei­chen von ideo­lo­gisch knall­hart bis prag­ma­tisch — ich selbst sehe mich da eher am prag­ma­ti­schen Ende der Skala. Als ich in die Pira­ten­par­tei ein­ge­tre­ten bin, habe ich das öffent­lich gemacht — ich bin deut­lich und mit Namen auf dem Foto der Grün­dungs­ver­samm­lung vom LV Ham­burg zu erkennen.

Poli­ti­sche Arbeit soll mei­ner Ansicht nach also so weit wie mög­lich öffent­lich gesche­hen. Wenn Ent­schei­dun­gen erör­tert, Beschlüsse gefasst oder Mög­lich­kei­ten dis­ku­tiert wer­den, dann soll­ten diese Dinge öffent­lich sein — zumin­dest in der Nachschau.

Den­noch weiß ich aus Erfah­rung, daß es ebenso häu­fig sinn­voll ist, wenn man mal im klei­nen geschlos­se­nen Kreis spricht. Man muss dann nicht jedes Wort auf die sprich­wört­li­che Gold­waage legen, redet freier — und kommt damit unter Umstän­den bes­ser ans Ziel. So etwas ist nicht­in­trans­pa­rent solange das Ergeb­nis die­ser Gesprä­che hin­rei­chend öffent­lich gemacht wird.

Par­tei­vor­stände muss zuge­traut wer­den, diese Abwä­gung im Ein­zel­fall tref­fen zu kön­nen. Wenn diese sagen, dass es sinn­voll war oder ist, ein­mal hin­ter ver­schlos­se­nen Türen zu spre­chen, dann sollte man ihnen in die­ser Sache ver­trauen. Gleich­zei­tig sind sie aber in der Pflicht, die Resul­tate zu ver­öf­fent­li­chen sowie diese geschlos­se­nen Run­den mini­mal zu halten.

Daten­schutz & Vertraulichkeit

Es gab ja in Ham­burg das Bei­spiel eines ande­ren anschei­nend hoch­ran­gi­gen Mit­glied einer ande­ren Par­tei, das sich vor einem Par­tei­wech­sel ein­mal unver­bind­lich mit dem Vor­stand tref­fen wollte — geheim und ver­trau­lich. So etwas ist aus mei­ner Sicht ein tref­fen­des Beispiel:

Hier ver­schwimmt die Grenze zwi­schen Vor­stands­tä­tig­keit und Pri­va­tem — in solch einem Tref­fen wird der Vor­stand garan­tiert kei­ner­lei Zusa­gen geben, Ämter aus­tei­len oder sonst­wel­che Dinge tun kön­nen. Ebenso wird das poten­ti­elle Neu­mit­glied keine Dinge erfah­ren kön­nen, die nicht sowieso schon all­ge­mein bekannt sind — da die Pira­ten­par­tei alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen eh schon ver­öf­fent­licht hat.

Für das poten­ti­elle Neu­mit­glied geht es hier aus­schließ­lich um den berühm­ten Nasen­fak­tor: Der Vor­stand ist ein (hof­fent­lich reprä­sen­ta­ti­ver) Aus­schnitt der Par­tei, so daß man schnell fest­stellt, ob man dazu­pas­sen würde. Gleich­zei­tig bleibt der invol­vierte Per­so­nen­kreis aber klein und ver­trau­lich genug um seine eigene Pri­vat­sphäre zu schützen.

Zusätz­li­che Trans­pa­renz­for­de­run­gen hel­fen in solch einem Fall also nie­man­den, wäh­rend die Pri­vat­heit zumin­dest ein paar Vor­teile bie­tet. Genau das sind aber die Abwä­gun­gen, die mei­ner Ansicht nach bei poli­ti­scher Trans­pa­renz gebo­ten sind.

Im übri­gen gel­ten natür­lich auch für die Arbeit der Pira­ten­par­tei die all­ge­mei­nen Daten­schutz­ge­setze — ein Ver­öf­fent­li­chen von ver­trau­li­chen Nach­rich­ten ohne Zustim­mung des Absen­ders ver­bie­tet sich so zum Bei­spiel von selbst — es sei denn, der Absen­der schafft mit sei­ner Nach­richt Fak­ten die wie­derum öffent­lich gemacht gehören.

(Ein Vor­stands­mit­glied kann zum Bei­spiel nicht ver­trau­lich aus der Par­tei austreten.)

Nabel­schau

Nicht ohne Grund lan­det das hier auf mei­nem Blog, und nicht auf meiner Wikiseite der Piratenpartei: Anstatt drum­herum zu reden, gibt es hier die Rück­schau auf bald 15 Jahre Online-Leben. Den­noch kurz eini­ges zur Per­son in Stichworten:

  • 36 Jahre alt
  • fest ange­stell­ter Con­sul­tant bei einem Ham­bur­ger IT-Systemhaus, Schwer­punkt Secu­rity & Iden­tity Manage­ment, frü­her Admi­nis­tra­tor bei einem Tex­til­im­por­teur, davor Stu­dent, Zivi, Stu­dent, Schüler.
  • Pirat seit 2006, wenn auch meis­tens nur als Beob­ach­ter und mit gele­gent­li­chen Dis­kus­si­ons­bei­trä­gen auf der Mai­ling­liste oder mei­nem Blog.
  • stress– und kritikfähig.

Auf mei­ner Piratenwiki-Seite fin­den sich übri­gens auch Links zu den diver­sen sozia­len Netz­wer­ken in denen ich Mit­glied bin. Schat­tig ist da eigent­lich nix :).

Mani­feste, Theo­rien, Sensationen

Ich per­sön­lich bin von eini­gen The­sen ziem­lich überzeugt:

  • Sozia­ler Frie­den bedeu­tet nicht, daß nie­mand auf­muckt, oder Gründe hat es nicht zu tun. Es bedeu­tet, daß nie­mand einen Grund hat auf­mu­cken zu wol­len, weil man wirk­lich genuin zufrie­den ist.
  • Wenn im Grund­ge­setz „Eigen­tum ver­pflich­tet“ steht, dann sollte das keine hohle Phrase sein, son­dern Richt­schnur für alle.

Dazu noch einige von mir schon frü­her for­mu­lierte Gedan­ken zu

Anhand sol­cher Grund­the­sen würde ich gerne pira­ti­sche Poli­tik ent­wi­ckelt sehen. Lang­fris­tig gedacht, respekt­voll und ver­nunft­ba­siert. So kön­nen wir auch inner­halb der nächs­ten 5 Jahre zumin­dest in die Land­tage einziehen.

3 Kommentare

  • Danke für die Bewerbung.

    Eine kleine Berich­ti­gung habe ich anzu­mer­ken: Das poten­ti­elle hoch­ran­gige Neu­mit­glied wollte nicht mit dem Vor­stand spre­chen. Ledig­lich seine Anfrage ist von der info-Liste auf die Vor­stands­liste wei­ter­ge­lei­tet wor­den. Da es keine AG gibt um sol­che Anfra­gen zu bear­bei­ten, ist die Anfrage aus Zeit­er­spar­nis­grün­den direkt vom Vor­stand bear­bei­tet worden.

  • Danke für die Berich­ti­gung :) ich habe das Ganze ja nur hin­ter­her am Rande mit­be­kom­men, und da es ja im Fra­gen­ka­ta­log der AG Kan­di­da­ten so auf­tauchte, bin ich in der Form davon aus­ge­gan­gen. An mei­ner Kern­aus­sage zum Thema ändert das aber nichts.

  • […] Die­ser Ein­trag wurde auf Twit­ter von Isotopp, Jol­ly­Orc und Ste­fan Scholl, Macm erwähnt. Macm sagte: Wun­der­bar! Da spre­che ich sofort eine Wahl­emp­feh­lung aus: http://tinyurl.com/y8a8oc2 #pira­ten+ #ham­burg #win (via @JollyOrc) […]

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